Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1919)
- Article
- [Ohne Titel] / B. S.
- Date
- 1919-05-01
- Page
- 214 (sequence 7)
- Language
- German
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214 Im deutschen Reich In der Schwerz tagte unlängst ein Kongreß pazifistischer Frauen aus allen Ländern, auf dein über die Mittel beraten wurde, durch welche das weibliche Geschlecht dazu beitragen könnte, in Zukunft ein allgemeines Völkermorden, wie wir es in den letzten vier Jahren erlebt haben, zu verhindern. Me Rednerinnen führten aus, daß die Hauptursache der Kriege im allgemeinen und des letzten Weltkrieges im besonderen in dem gegenseitigen Völkerhaß zu suchen sei, der die Nationen scheidet, anstatt sie zu gemeinsamer Kulturarbeit zu verbinden; der Völkerhaß aber habe seine Wurzel in der mangelhaften gegenseitigen Kenntnis; der Durchschnittsbürger des einen Landes kennt die Angehörigen der fremden Nationen, ihre Sitten und Bräuche, ihre Gefühle, Bedürfnisse und Ansprüche viel zu wenig, um sich mit ihnen verständigen zu können; es fehlen ihm die nötigen Einblicke in das innere Leben der fremden Nationalitäten, um ihre guten Seiten, ihre Vorzüge und Tugenden zu würdigen und ihren Forderungen gerecht werden zu können. Das führe zur nationalen Ueberhebung, zur Verkennung und .Unterschätzung des Fremden, daraus entspringen Mißverständnis und Uebelwollen, die den gegenseitigen Haß erzeugen und '^ließlich blutige Kriege unvermeidlich machen. Mehrere Vorlage wurden unterbreitet, eine dauernde Einrichtung zu , affen, die das gegenseitige Verständnis unter den verschiedenen Nationalitäten erleichtern sollen. Es darf mit Genugtuung festgestellt werden, daß unter den besten Rednerinnen einige jüdische Damen sich besonders ausgezeichnet haben. Eine von ihnen, FrauRahelEdelstein- Friedmann, brachte den Antrag ein (der auch unter allgemeinem Beifall zum Beschluß erhoben wurde), man solle den gegenseitigen Erziehungsaustausch unter den verschiedenen Nationalitäten Einfuhren: Familien verschiedener Nationalität sollen ihre Knaben und Mädchen in dem empfänglichen Alter von 14 bis 18 Jahren gegenseitig bei sich aufnehmen, dadurch würde schon die zarte Jugend verschiedener Nationalitäten sich gegenseitig kennen, achten und lieben lernen; die in diesem Lebensalter geknüpften Bande der Kameradschaft und Freundschaft, die Erinnerung an gemeinsame Studien und an gemeinsam verbrachte fröhliche Stunden würde bis ins spätere Ater fortdauern und auch auf die Gesinnung der älteren Generation zurückwirken. Es ist bemerkenswert, daß die Antragstellerin eine Dame von streng jüdisch-orthodoxer Gesinnung und Lebensführung ist, Sproß der berühmten Dynastie der Wunderrabbis von Sadagvra; sie hat sich durch zahlreiche Aufsätze und Studien über innerjüdische Fragen, die von anerkennenswerter Bildung und umfangreicher Sachkenntnis zeugten, einen guten Namen gemacht.