Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 4 (April 1919)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1919-04-01
- Page
- 169 (sequence 5)
- Language
- German
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Umschau 169 Die Ausführungen Jacobys sind' Vorläufer von Wilsons Gedankengängen. Aber die Folge der Rede und der Resolution war, daß sechs Tage daraus der Vorsitzende der Versammlung, Kaufmann Herbig und Johann Jacoby verhaftet, auf die Feste Boyen bei Lötzen gebracht und dort bis zum 26. Oktober gesangengehalten wurden, ohne daß man sie einem Richter vorführts. Wie anders hätie sich das Schicksal Deutschlands gestaltet, wenn man damals aus die Stimme des Juden Jacoby gehört hätte. . Wir meinen damit nicht die Staatsrechtsfrage, ob Elsaß-Lothringen geschichtlich zu Deutschland gehört, sondern die Forderung Jacobys nach dem Selbstbestimmungsrecht der Bevölkerung, die Forderung, zu der sich notgedrungen die deutsche Regierung 48 Jahre später bekennen mußte, weil sie die allgemeine Forderung der Welt geworden ist. Der zweite Zeuge ist Ballin, der entschlafene Direktor der Hamburg-Amerika-Linie. Allerdings, der Kaiser hörte aus ihn, Wllin zählte zu seinen Freunden; aber auch dieser semitische Einfluß konnte gegen den alldeutschen nicht durchdringen. Ballin hat sowohl im Juli 1914 seine warnende Stimme erhoben, als auch in der entscheidenden Zeit vor der Anwendung des ungehemmten D-Boot-Krieges, der uns das mächtige Amerika als ausschlaggebenden Feind zu.den anderen Feinden gesellte. ' Wir dürfen bei dieser Gelegenheit daran erinnern, daß die sogenannte jüdische und alljüdische Presse fortgesetzt vor diesem uneingeschränkten Hl-Boot-Krieg gewarnt hat, nach seiner Ankündigung allerdings im vaterländischen Interesse schwieg — nachdem die militärischen Autoritäten erklärt hatten, daß er notwendig sei und zum Erfolge führen werde. Ms Dritter möge Dr. Walther Rathenau sprechen. Er schreibt: „Gott sei's geklagt, dies alles häkle vermieden werden können, wenn man uns angeArt hatte. Allein, wir waren in den! Deutschland des Sommers 1614 höchstens ein Dutzend Leute, die dem Kriege widerrieten, und was vermögen kn einer Nation von 60 Millionen eine Handvoll Menschen/ deren Meinung erdrückt wird? Wir standen entschlossen gegen die Politik der Regierung, mqßken aber schließlich, als die Würfel gefallen waren, als Patrioten unsere Pflicht tun und den Staat m fernem Existenzkampf gegen eine ganze Welt unterstützen. Bier Jahre lang haben wir unter diesem Kummer gelitten und leiden heute noch mehr darunter als die anderen.. Mein Freund Ballin überlebte den Schmerz nicht. . . Pom ersten Augenblick an war ich auch ein Gegner des Unterseebootkrieges. Während Ballin zum Kaiser eilte, um ihn zu warnen, lenkte ich die Aufmerksamkeit der Regierung auf die Gefahr, durch den uneingeschränkten Ta'uch'bovtkrieg uns die Feindschaft der Bereinigten Staaten zuzuziehen. Ich habe die wissenschaftlichen Bedenken vorgebracht, die einen.sicheren Mißerfolg dieses Versuches unausbleiblich erscheinen ließen^ ich habe die Frage auch.vom hu'manitären Standpunkt aus gebührend beleuchtet.und die Idee des Unterseebootkrieges verworfen. Ich habe unseren