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Im deutschen Reich · 1919-04-01 · Heft 4 (April 1919) · p. 168

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 4 (April 1919)
Article
[Ohne Titel]
Date
1919-04-01
Page
168 (sequence 4)
Language
German
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168 Im deutschrrr Reich Wahrheit nicht hören wollen", hat am 14. September 1870 in einer Versammlung der Königsberger Volkspartei eine Rede gehalten, die heute wie eine Prophetie anmutet. In dieser Rede, kurz nach dem Siege von Sedan, befaßt er sich mit der Frage, ob Preußen oder Deutschland das Recht habe, sich Elsaß und Lothringen anzueignen. Johann Jaeoby führte aus: Man sagt uns: Elsaß und Lothringen haben früher zmn Deutschen Reiche gehört. Durch List und Gewalt hat Frankreich, sich dieser Länder bemächtigt. Jetzt, da wir die Franzosen besiegt, ist es nicht mehr als recht und billig, daß wir ihnen die Beute wieder abjagen, das uns geraubte Eigentum zurücksordern. Lasten Sie sich ni-cht in Versuchung führen durch schönklingende Worte! Und böte man Ihnen die Reiche der Welt,-lassen Sie sich nicht verleiten, den Götzen der Macht anzubeten! Prüfen Sie jene schönklingende Phrase, und Sie werden finden, daß sie nichts weiter ist, als eine Bemäntelung des alten barbarischen Kanonenrechtes. . Elsaß und Lothringen — sagt man — waren deutsches „Eigentum" und müssen wieder deutsch werden! Wie, fragen wir, hat denn Elsaß und Lothringen keine Bewohner? Oder sind etwa"die Bewohner dieser Lander eine w i l l e n l o s e Sache, die man so ohne weiteres "hi Besitz nehmen, mit der man nach Belieben schalten und Waltos kann? Sind sie durch den Krieg rechtlos, sind sie Sklaven geworden, über deren Geschick der Sieger willkürlich verfügen darf? Selbst der eifrigste,' einge-r fleischteste Annexionist räinitt ein.' daß die Elsässer intb Lothringer mit Leib und Seele Franzosen sind und Franzosen bleiben wollen. Und hatten sie sich auch noch so schwer gegen uns vergangen, wider alles menschliche Recht wäre es, wollten wir sie z w an g s w-ei s e zu Deut sch e n machen, sie — gegen ihren Willen — Preußen' oder einem anderen deutschen Staat einverleiöen. Wie würde es uns, wie unseren Nationalliberalen gefallen, wenn einst e i n s i e gr e i. ch e s Polen — aus Grund des Kanonenrechtes — die Provinzen Pose n und W e st p r e u ß e n z u r n ck s o r d e r n und annektieren wollte? Und doch ließen sich dafür ganz dieselben Gründe. geltend rrvactjen, die man jetzt für eine Annexion hon Elsaß und Lothringen vorbringt. Nein, meine Herren! Unsere Pflicht ist es. solchen Bestrebungen nationaler Selbstsucht entgegenzutr^Len. Halten wir fest an den Grundsätzen des Rechtes — wie im Privatleben, so im öffentlichen Leben! Sprechen wir es aus, als unsere tiefinnerste Ueberzeugung. daß jede Einverleibung fremden Ländergebietes wider den Willen seiner Bewohner eine Verletzung dos S e l b st b e st i m m u n g s r e ch t e s b e r Völker und daher ebenso verwerflich wie verderblich ist. Unbeirrt durch den. Siegestaumel des Augenblicks lassen Sie uns den Protest erheben gegen jede Vergewaltigungder Bewohner von Elsaß und Lothringen. Nur wer die Freiheit anderer achtet, ist selber der Freiheit wert. Es wurde dann einstimmig folgende Resolution angenommen: „Die hier versammelten Mitglieder der Volkspartei sprechen ihre Ueberzeugung dahin aus, daß weder die Kriegserklärung Napoleons noch die Waffentaten der deutschen Heere dem Sieger das Recht geben, über das politische Geschick der Bewohner von Elsaß und Lothringen zu verfügen. Auf Grund des S e l b ft b e st i m m u n g s r e ch t e s der Völker, im Interesse bh Freiheit und des Friedens protestieren sie.gegen jede gewaltsame Annexion französischen Ländergebietes."

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