Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 4 (April 1919)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1919-04-01
- Page
- 167 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- address
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316888-2316892--29699-2355590- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
167. Umschau christlichen Beamten? Ihnen wird cs sogar als Verdienst angerechnet, daß sie der Nevolutionsregierung sich zur Verfügung stellten — trotz ihrem Beamteneid! Und Hai dis Deutschnationcrle Volkspartei sich etwa nicht auf den Boden der durch die Revolution geschaffenen Tatsachen gestellt? Der ehemalige Finanzminister Hergt, der Nachfolger des ungekrönten Königs von Preußen, des Herrn von Heydebrand, in der Führung der preußischen Konservativen, hat dies am 15. März in der Preußischen Landesvcrsammlung ausdrücklich und feierlich versichert. Auch diese Partei, zu deren Hauptvorstands-Mitgliedern der antisemitische Professor Ache r n er- Gießen gehört, hat also das Trenegelobnis zunr Kaiser über Nacht zerrissen! Die konservativen und ihre Anhängsel, einschließlich der Antisemiten, haben der Revolution und den veränderten Zeitvertzältmsien sogar in solchem-Maße Rechnung getragen, daß sie ihre alten historischen Namen abgelegt und, um sich der Gunst des bisher mißachteten Volkes zu versichern, unter der Firma „B o 11 § p a r t e i;' sich neu auftaten. Wenn die „DLutschvölkischen Blätter" aus angeborenem Hang heraus Steine werfen wollen, dann bitte zuerst gegen Hindenburg, den wahrhaft ehrlichen Monarchisten, gegen die ehemaligen Triarier Seiner Majestät und gegen die eigenen Parteigenossen. In diesem Zusammenhang, ein kleines jüdisches Gegenstück zum Verhalten vieler Deutscher. Der Oberrabbiner Dr. Emil L e v y aus Straßburg ist von dcm französischen' Befehlshaber genötigt worden, sein Amt zu verlassen, weil seine deutsche Vaterlandsliebe es ihm nicht gestattete, von der Kanzel herab die Franzosen als Befreier zu begrüßen. Du. Lsvy muß sich jetzt als Märtyrer des Deutschtums eine neue Existenz suchen, während viele christliche Deutschs, nicht etwa stumm und leidend, sondern mit lauter Begeisterung für die französischen Befreier ins andere Lager üöerschwenkten. * Der Alldeutsche Verband fordert offiziell, daß der jüdische EÄslutz zurückgedämmt werden müsse, falls man zu einer staatlichen Wiedergeburt des Deutschen Reiches kommen wolle. (An einer anderenStelle diesesHeftes befassen wir uns näher hiermit.) Der alldeutsche Einfluß, der uns ins Unglück gestürzt hat, ist glücklich beseitigt, wenn auch nicht für unabsehbare Zeit. Ein jüdischer Einfluß war leider bisher ausgeschaltet. Deutschland wäre sonst wahrscheinlich vor dem jetzigen Unglück bewahrt geblieben. Drei Zeugen mögen hierfür sprechen. Der jüdische Demokrat Johann I a c o b y , bekannt durch seinen mutigen Ausspruch vor Friedrich Wilhelm IV., am 2. November 1848: „Es ist das Unglück der Könige, daß sie die