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Im deutschen Reich · 1919-04-01 · Heft 4 (April 1919) · p. 166

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 4 (April 1919)
Article
[Ohne Titel]
Date
1919-04-01
Page
166 (sequence 2)
Language
German
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166 Im deutschen Reich der Verhandlungen durch bewaffnete Soldaten abgefperrt. Jeder, der das Abgeordnetenhaus betreten will, muß dreimal seine Karte vorweisen und wird in einem besonderen Zimmer auf Waffen untersucht. Man sieht, daß auch von einer Regierung unter „jüdischem Einfluß" die Ordnung gegenüber aufrührerischen Elementen aufrechterhalten werden kann. * Die „Deutschvölkischen Blätter" vom 7. Marz stellen unter der Ueberschrift: „Jüdische -Treue'" den Aufruf des Eentraloereins aus dem Oktober 1918, der in der damaligen schweren Zeit das unverbrüchliche Gelübde der Treue zu Kaiser und Reich erneuerte, und einen Aufsatz des „Israelitischen Familienblattes" vom 15. November einander gegenüber. In diesem Aufsatz hieß es, daß unsere Religion es uns gebietet, derjenigen Obrigkeit, welche im Besitze der Gewalt sei, Gehorsam zu erweisen, soweit das Wohl des Volkes es irgend verlange. „Diese .Standhaftigkeit' eines jüdischen unverbrüchlichen Treugelöbnisses muß man sich merken" — so schließt das antisemitische Blatt seine Ausführungen. Der Gegensatz zwischen den beiden Auffassungen ist nur für Oberflächliche und für Hetzer vorhanden. Das Treugelöbnis zum Reich und zum Kaiser war, wie schon erwähnt, in einer schweren Zeit abgelegt worden, als unsere Front im Westen vor dem Zusammenbruch stand und im Innern eine furchtbare Verbitterung emporzuwachsen drohte. Der Centralverein hat nicht, wie es viele andere taten, das sinkende Schiff feige verlassen, er wollte, obgleich uns Juden sogar während des Krieges, trotz den vielen jüdischen Blutoyfern, fortgesetzt und am meisten gerade von den „Monarchisten" unrecht getan wurde, die wankende Stimmung aufrichten durch die Erneuerung des Treuegelöbnisses nicht nur in einem Aufruf, sondern auch in einer öffentlichen Massenversammlung. Hierfür sollten gerade die Monarchisten und die Kreise der „Deutschvölkischen Blätter" uns Dank wissen. Zum Reich bekennen wir uns weiter; zum Kaiser uns zu bekennen, war nach dem 9. November nicht mehr möglich, nachdem die Abdankung Wilhelms II. veröffentlicht und an seine Stelle eine neue Regierung getreten war, die sich bemühte, Deutschland aus dem Chaos der Revolution zur Ordnung zurückzuführen. Der Gegensatz, den die „Deutschvölkischen Blätter" behaupten und der die jüdische Treue in einem eigentümlichen Lichte erscheinen lassen soll, ist mit dem schärfsten Mikroskop nicht zu entdecken. Weshalb verspotten die „Deutschvölkischen Blatter" nicht auch die „Standhaftigkeit" des unverbrüchlichen Treuegelöbnisses eines Hindenburg, /der sich doch auch sofort der neuen Regierung zur Verfügung gestellt hat, ebenso wie fast alle

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