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Im deutschen Reich · 1919-04-01 · Heft 4 (April 1919) · p. 157

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 4 (April 1919)
Article
Die Flucht aus der Wirklichkeit
Date
1919-04-01
Page
157 (sequence 13)
Language
German
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,Die Flucht a«s der Wirklichkeit" 1S7 ttche ^Unabhängigkeit. Mit diesen Dingen hätten sie nichts an» Anfängen gewußt/sie hätten jeden Wext für sie verloren, ohne der religiösen Inhalte. - Eine Schale ohne Kern, ein Leib , ohne Seele, wären sie alsbald in Nichts zerfallen und hätten das. Schicksal der Emoriter, Moabiter, Edomiter, Jebusiter, Amoniter und anderer benachbarter Völkerschaften geteilt, die spur»- los vom Erdboden verschwunden sind. Ein „außerreligiöses Judentum" ist nämlich ein Unding. Wenn es wahr wäre, daß die jüdische Religion ihre Rolle aus» gespielt und den Juden nichts mehr zu bieten, der Welt nichts mehr'zu sagen hätte, dann hätte jede Art von Sonderexistenz eines: Judentums die Berechtigung verloren. Eine noch so handfeste Schutzhülle, aus Sprache und Land geformt, würde einen eitlen Dunst umschließen, der nicht erst nötig hätte, sich zu verflüchtigen. — Glücklicherweise ist die Prämisse gar nicht wahr. Dieser verzweifelte Pessimismus betreffs der Zukunft der Religion, insbesondere der jüdischen, ist Mode von vorgestern, und es ist erstaunlich, daß ein Mann von so hoher philosophischer Bildung und umfassendem jüdischen Wissen, wie der Verfasser, auf diesem naiven Standpunkt des Bildungsphilisters verharrt. Doch dieses Problem gehört ans ein anderes Blatt. Alle Versuche einer Synthese zwischen Judentum und mo- 1 derner Kultur, wie die westjüdische' Orthodoxie, die Reform, die Formulierung des „Geistes des Judentums" verwirft der Verfasser als „Irrwege eines nationalen Instinktes", lau darf seine Konstruktion eines außerreligiösen, lediglich aus Sprache und Territorium bestehenden Judentums als Verirrung/'des religiösen Instinktes bezeichnen. Klatzkin ist nämlich eine tiefreligiöse Natur, beseelt von einer glühenden Liebe zum alten Judentum, wie es war und ist? Manche Symptome des Verfalls, von denen keine geistige Gemeinschaft je verschont geblieben ist, die zu allen Zeiten aufgetreten, und nach kürzerer oder längerer Dauer vorübergegangen sind, erfüllen seine enthusiastische Natur mit Schmerz und Verzweiflung und lassen ihn für sein geliebtes Judentum aus Irr/ wegen neue Daseiussormen suchen, die ewige Dauer verbürgen Und er übersieht, daß Sprache und Territorium, wie jedes Blatt ' der Geschichte lehrt, den Stürmen des Völkerlebens ungleich geringeren Widerstand entgegensetzen, als geistige Gebilde. Nur aus dieser glühenden Liebe zum religiösen Judentum her-' aus sind die Partien seines Buches (S. 3 36—-138 und S. 170 bis 173) entstanden, die eine Verteidigung des Judentums enthalten, welche an Ueberzeugungskrast, Kühnheit der Ideen und hinreißender Pracht des Ausdruckes ihresgleichen suchen. Diese paar Seiten lohnen reichlich die Lektüre des ganzen Buches, auch wenn man den übrigen Inhalt üblehnen muß. Diese

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