Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 4 (April 1919)
- Article
- Die Flucht aus der Wirklichkeit
- Date
- 1919-04-01
- Page
- 153 (sequence 9)
- Language
- German
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,Di'e Flucht aus der Wirklichkeit' 153 ^versichert: „Ein fremder Inhalt kann wohl durch jüdische Form» Prägung ins Judentum eingebürgert werden und nationale Weihe erlangen", nicht aber umgekehrt. Weiter: „Ein geschichtliches Beispiel für die Suprematie der Form ist die arabischjüdische Literatur, die nur insofern das Judentum schöpferisch beeinflußte, als sie ins Hebräische übersetzt wurde." Aus der arabisch-jüdischen Literatur wurden nur diejenigen Werke ins Hebräische übertragen, von denen man überzeugt war, daß sie das Judentum schöpferisch beeinflussen können, z. B. der Morch, der Kusari, das Buch von den Herzenspflichten. Dagegen ließ man die Fons Vitae des als religiösen Dichters hochgeschätzten Gabirul »«übersetzt, weil man dieses Werk nicht für geeignet hielt, das Judentum schöpferisch zu beeinflussen. Wahr ist es, daß diese Bücher in der: nachfolgenden Zeiten nur durch die hebräische Uebersetzung befruchtend aus das jüdische Geistesleben gewirkt haben. Allein das steht mit objektiven geschichtlichen Vorgängen im Zusammenhang. Die arabisch redenden Juden waren gezwungen, um ihrer Religion willen, ihre alten Kulturstätten zu verlassen und sie weiter nach dem Norden zu verlegen; geschichtliche Umwälzungen bewirkten, daß das Arabische allmählich aufhörte, Weltkultursprache zu seirtz in der Ursprache hätte also der weitaus größte Teil der Juden später diese Bücher bald nicht mehr verstanden, es rettete sie nur die Uebersetzung ins Hebräische, welches, dank seiner religiösen Bedeutsamkeit, sür die Juden aller Länder die universelle Literatursprache geworden war. Für die arabischen Juden ist die Bibelübersetzung des Saadja Gaon bis auf den heutigen Tag ein Grundbuch, und genießt ein so hohes Ansehen fast wie die hebräische Urschrift. — Dagegen besitzen wir eine erkleckliche Anzahl von Büchern im prächtigsten und lautersten Hebräisch, welche trotz der „jüdischen Formpragung" sich nie ins Judentum eiubürgern und nationale Weihe erlangen werden. Dahin gehören das Buch „Nethiboth Olam" von Mac Kaul und eine ganze Reihe ähnlicher Schriften aus den letzten/Jahrzehnten, die — das Christentum propagieren. In den siebziger Jahren veröffentlichte ein gewisser Moses R o sen so h n in Wilna eine Reihe dickleibiger hebräischer Bücher, denen das Publikum anfangs ratlos gegenüberstand. Der Verfasser war ein Sonderling, ein fehr gelehrter, reicher, unabhängiger Mann, führte äußerlich das Leben eines streng orthodoxen Juden, hatte sich aber vermöge eines abnormen psychischen Prozesses von der „Wahrheit der christlichen Lehre überzeugt", und wollte fortan als freiwilliger, unbesoldeter Judenmifsionar wirken. Sobald das jüdische Publikum durch die Nebelhülle mystisch-süßlicher Phrasen die wahre Tendenz dieser im schönsten Hebräisch geschriebenen Werke her-