Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 4 (April 1919)
- Article
- Die Flucht aus der Wirklichkeit
- Date
- 1919-04-01
- Page
- 152 (sequence 8)
- Language
- German
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Im deutschen Reich ,152 sondern eröffneten sogar eine machtvolle, großartige Propaganda, nm sie in der griechischen Welt auszubreiten. Es ist nämlich nicht richtig, was uns Klatzkin versichert, „das Judentum hätte die jeder Konfession innewohnende Mission des Bekehrens nicht gekannt". Es kannte diese Mission sehr wohl und betätigte sie eifrig, nur mit anderen Met Hoden. Dafür zeugen tausende Aussprüche der Propheten, zeugt das Buch Jona, in der griechischen Zeit die ganze pseudoepigraphische Literatur, besonders die Sybillinischen Bücher, zeugt der ganze Philo und die zahlreichen erhaltenen Bruchstücke des jüdischen Alexandrinismus. Es ist müßig, den Ausspruch des Talmud zu zitieren: „Proselyten seien Israel lästig, wie ein Aussatz." Dem steht ein anderer Ausspruch entgegen: „Gott hat Israel nur zu dem Zweck unter die Völker zerstreut, damitzahlreiche: Proselytenscharen sich ihm anschließen." Seine Propaganda stellte das Judentum erst ein, als ihm das Paulinische Christentum den Rang abgelausen hatte, indem es dem Heidentum so weitgehende Zugeständnisse machte, daß es beinahe selber zu einer verfeinerten, veredelten Ausgabe des Heidentums wurde. Alles, was Klatzkin als „Form" bezeichnet, gaben die Juden aus, gewiß nicht ohne Wehmut; tiefer veranlagte Menschen hangen mit Ljebe auch an Aeußerlichkeiten, die, ihre Weihe, vom Inhalt, empfangen. Aber dieser Inhalt allein war es, den sie als das Wesentliche, das Bezeichnende ihrer Sonderart, als ihr „differenzierendes Kriterium" empfanden. Verbannung und Austreibung, Not und Jammer, Tod und Marterqualen haben die Juden zu allen Zeiten und in allen Ländern auf sich genommen, einzig und allein um ihrer Religion willen. Die hebräische Sprache war ihnen teuer, weil nur in ihr allein sich die Urschriften ihrer Religion unverfälscht erhalten haben, und man sie in ihrer ungetrübten Reinheit nur aus ihnen schöpfen kann. Wenn sie die hebräische Sprache in der Poesie, der Geschichtschreibung und anderen außerreligiösen Disziplinen anwandten, so geschah dies aus einem Gefühl kindlicher Dankbarkeit für die religiösen Schätze, diesen unausschöpfbaren Lebensquell, den sie ihnen bot; ferner, weil sie durch Anhäufung von wertvollen Gedankenschätzen in dieser Sprache, sie der Nachwelt nur noch teurer machen wollten. An sich aber, als eine Summe von Lauten und Wortbildungen, nur weil sie ehemals von ihren Vorfahren im Heiligen Lande g e s p r o ch e n wurde, war ihnen die hebräische Sprache völlig gleichgültig. Maimuni und Jehuda Halevi konnten gar nicht Hebräisch parlieren, wie die Mitglieder der heutigen „Sapha-Berurah"-Vereine und die Zöglinge der hebräischen Kindergärten in Galizien und in Palästina. Und sie fühlten sich doch wahrlich nicht als schlechtere Juden. Es ist durchaus verkehrt, wenn uns der Verfasser.