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Im deutschen Reich · 1919-04-01 · Heft 4 (April 1919) · p. 150

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 4 (April 1919)
Article
Die Flucht aus der Wirklichkeit
Date
1919-04-01
Page
150 (sequence 6)
Language
German
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150 Im deutschen Reich N. DZe Flucht vor der „Asfirmlation". Wie überirdisch und weltabgewandt die Ideen des Verfassers sind, beweist seine Konstruktion des „Endziels". Wir müssen ein „außerreligiöses Judentum" schaffen, indem alle Juden ihr Volkstum nach Palästina, in das schützende Gehege der hebräischen Volkssprache retten. Was die Sprache anbetrisst, so ist es wenigstens theoretisch denkbar, daß alle. Juden sie erlernen und im alltäglichen Verkehr sich ihrer bedienen. Wie steht es aber mit dem Land? Palästina mißt etwa 30 000 Geviertkilometer und zählt gegenwärtig (schätzungsweise) 700 000 Einwohner, ungefähr 21 Seelen auf das Kilometer. Nehmen wir an, es geschieht ein Wunder und alle Araber, deren es dorr gegen 000 000 gibt, verschwinden auf einmal aus dem Lande und machen den einziehenden Juden Platz; ferner, Palästina verwandelt sich über Nacht in ein Kulturland ersten Ranges, mit hochentwickelter Landwirtschaft, Technik, Industrie und Handel, mit Häfen und überreichen Bodenschätzen, etwa wie Belgien, es kann zehnmal soviel Einwohner fasten wie setzt, nämlich 200 auf das Geviertkilometer. Dann können darin etwa 6 Millionen Juden Platz finden. Was soll nun aus den übrigen 8 Millionen werden, die im öden Galuth zu bleiben gezwungen werden? Nun, der Verfasser opfert sie kaltherzig hin, gibt sie dem Moloch der „Assimilation" preis. Wer nicht hinein kann, bleibt eben draußen und geht unter. Das ist Naturnotwendigkeit, Schicksal. Die Draußenbleibenden sind nicht zu retten. Was tut's? Die drinnen werden das „außerreligiöfe Judentum" schon allein aufbauen, mit seiner neuen, unzerstörbaren Form und seinem unverwischbaren „differenzierenden Kriterium". Der Verfasser geht über Leichen. Pereat mundus, fiat theoria! ... Viel schlimmer ist folgendes. Wie soll man es verhüten, daß Palästina nicht schließlich übervölkert wird und seine Bewohner, die „außerreligiösen Juden", gezwungen sind, über die Grenzen zu fluten und abermals hinauszugehen in das „Ga> luth", wo der schauervolle Drache Assimilation lauert, sie zu verschlingen? Dabei erinnert man sich unwillkürlich, daß dies schon einmal so gewesen ist. Nämlich in den letzten zwei oder drei Jahrhunderten vor der Zerstörung des jüdischen Staatswesens durch die Römer. Die Hunderttausende, die in jener Epoche Palästina verließen und sich über das ganze Mittelmeerbecken zerstreuten, ostwärts bis nach Mesopotamien und Persien, ferner bis tief in die arabische Halbinsel, taten das wohl nicht aus mangelnder Heimatliebe oder frivoler Wanderlust, sondern von der wirtschaftlichen Not getrieben. Sie hingen mit rührender Treue und Liebe am Heiligtum zu Jerusalem und erlebten mit

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