Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 3 (März 1919)
- Article
- [Ohne Titel] / J. Sch.
- Date
- 1919-03-01
- Page
- 117 (sequence 5)
- Language
- German
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Umschau 117 fühlte er sich stark; der Bund der Landwirte ist eine ausgesprochene Kampftruppe. Sein Wesen ist, wie sich in der letzten Versammlung gezeigt hat, durch die Revolution nicht geändert rvMden. Er erkennt noch immer nicht ein Volk von BrüdeM^Mch nicht in der Not, an. t^^W^vlgerichtig, daß er, wie früher so auch jetzt, mit dem ÄMMritismus die politischen Kämpfe zu vergiften sucht. Er wirst den Juden Kapitalismus und unfruchtbaren Händlergeist vor. Aber wenn sich Juden für den landwirtschaftlichen Beruf entscheiden und tüchtige Landwirte werden, dann finden sie bei dem agrarischen Bund festverriegelte Türen. Die ausschließlich arische Zusammensetzung des Bundes hat aber auch sein Gutes. Man kann aber den Juden, nicht einmal den Alljuden die Schuld an der materialistischen Gesinnung der Bündler zuschieben. Der eigenartige Patriotismus, der angesichts der Hungerblockade und der immer knapper und teurer werdenden Lebensmittel der Regierung zurief: „Der Landwirt braucht höhere Preise zum — Anreiz der Produktion", kann auf keinen jüdischen Einstuß abgewälzt werden. Und wenn Herr von Oldenburg-Januschau in der letzten Generalversammlung das Unglaubliche fertig bekam, nämlich mit einem Streik der Landwirte zu drohen, und zwar unter Zustimmung der Versammlung, so ist dieser erschreckende Mangel an Empfinden für die Sorgen des deutschen Volkes bei arischen Antisemiten festzustellen. Es gibt kaum etwas Verwerflicheres, Gefährlicheres und Verderblicheres, als gegenwärtig, wo der wirtschaftliche Organismus Deutschlands schwer erkrankt ist, fein Leib in Krämpfen zuckt, das bolschewistische Chaos droht, die Hungerblockade uns weiter einschnürt, mit einem Streik der landwirtschaftlichen Besitzer zu drohen, nur weil ihnen die Zwangswirtschaft nicht paßt: mit einem Streik, der das unterernährte Volk in die brennendste Verzweiflung und damit Deutschland in einen zerstörenden Vulkan schleudern müßte. So sieht der arische, judenreine, antisemitische Bund der Landwirte aus. Die Deutsche Nationalversammlung tagt feit dem 6. Februar in dem idyllischen Weimar. Sie hat im Gegensatz zu der Nationalversammlung in der Paulskirche zu Frankfurt am Main 1848 rasche Arbeit geleistet. Sie hat der deutschen Republik einen Präsidenten gegeben, den früheren Sattler und späteren Redakteur Fritz Ebert. Sie hat eine neue Regierung aus ihren Reihen gebildet, die vom Vertrauen der Volksmehrheit getragen ist. Das Deutsche Reich hat also wieder eine über den Parteien stehende Persönlichkeit als „Herrscher" und besitzt ein Ministerium, das den Gegnern gegenüber bei den Friedens-