Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 3 (März 1919)
- Article
- Was nun?
- Date
- 1919-03-01
- Page
- 108 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2316602-2316888-2316891-2355351--29584-2355415- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
108 Im deutschen Reich habe mit den französischen und englischen Juden keine Volksgemeinschaft und will mit ihnen keine haben: ich empfinde für sie nicht viel anders als wie für französische und englische Christen, und erwarte erst die Zeit, wo Völkerbund uud Völkerfrieden die nationalen Feindseligkeiten hoffentlich überwinden werden. 2. Diese fundamentalen Verschiedenheiten in der Auffassung vom Wesen des Judentums machen es uns schwer, mit unseren zionistischen Brüdern eine gemeinsame Verständigung zu finden, und diese Verständigung wird erschwert durch ihre Kampsesweise, die mehr ihren propagandistischen Tendenzen als einem Verständigungswillen Rechnung trägt. Wenn wir nutzlose Proteste unterlassen, so schilt man uns feig (vgl. Blumenfeld in der „Jüdischen Rundschau"). Als wir vor der Revolution uns zu Kaiser und Reich bekannten, schalt man uns servil, und der Parteisekretär hat sich nicht gescheut, eine im Privatgespräch von mir gemachte Aeußerung, daß eine kommende Zeit dieses Bekenntnis würdigen werde, zu dem gehässigen Vorwurf zu entstellen, ich hätte zugestandenermaßen das Bekenntnis in der Absicht der Liebedienerei der Konterrevolution gegenüber abgegeben (vgl. Blumenseld in der Sitzung des Jugendbundes vom 18. 12. 18). Wenn wir gegenüber dem Bekenntnis der Zionisten zum jüdischen Volke uns als unablöslichen Bestandteil des deutschen Volkes bekennen, so nennt man das eine würdelose Kundgebung (vgl. Leo Rosenberg im „Jüdischen Echo") und man nennt uns im Jargon der Antisemiten Denunzianten, beschuldigt uns, daß wir die Eintracht stören; als ob derjenige die Eintracht stört, der dem Bekenntnis des Gegners das eigene Bekenntnis entgegenstellt, und als ob das Selbstbestimmungsrecht nur sür die jüdischnationalen, nicht aber für die deutschnationalen Juden bestehe. Die Verständigung wird ganz besonders erschwert dadurch, daß die Heißsporne der Partei der Leitung noch weniger parieren wir in anderen Parteien, und, daß große Kreise weit über das zionistische Ziel der Parteileitung hinausschießen. Die zionistische Leitung vertritt wenigstens den Standpunkt, daß man in den Ländern der Diaspora ein getreuer Staatsbürger sein, an allen Rechten teilnehmcn, alle Pflichten erfüllen soll, aber die Heißsporne der Partei — und man läßt sie auch in dem offiziellen Parteimoniteur gewähren — kümmern sich darum nicht, sie treiben den völkischen Gedanken in die äußerste Konsequenz, und diese äußerste Konsequenz ist die, daß sie sich mit den Antisemiten in dem Gedanken begegnen, die Juden seien hier fremd, hätten an der Kultur nicht mitzuarbeiten und sollten sich hier nur um jüdische Dinge kümmern. Die Artikel der Rabbinowitz in München und des Erich Cohn, dem die „Jüdische Rundschau" Aufnahme