Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 3 (März 1919)
- Article
- Was nun?
- Date
- 1919-03-01
- Page
- 107 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Was nun? 107 Vaterlandes und mit den Andersgläubigen in einem Typus höheren Menschentums aufgehen. Die Synthese haben wir darin gefunden, daß wir Deutsche jüdischen Glaubens und jüdischen Stammes sind, daß uns das Deutschium Nation und Volk, das Judentum Glaube und Stamm ist, daß uns die Stammes- und Glaubensart aber nicht völkisch von den Deutschen absondert, daß wir deutschnational, nicht jüdischnational, nur jüdische Religionsgemeinschaft und nicht ein jüdisches Volk, am allerwenigsten in Deutschland sind. Wir wollen gute Juden bleiben. Wir haben den Kamps gegen die Taufe der Alten und der Jungen ausgenommen, noch ehe die Zionisten auf dem Plane waren und auf das religiöse Band sonderlich Wert legten. Es ist vermessen von den Zionisten, zu sagen, daß, wer nicht Zionist ist, kein guter Jude ist. Wir könnten vielleicht mit größerem Rechte, jedenfalls mit demselben Rechte das Gegenteil sagen, daß derjenige, der aus dem Judentum ein Wald- und Wiesenvolk, ein nach völkischer Macht strebendes, chauvinistisches, imperialistisches, von Volksleidenschasten getriebenes Volk macht, nicht voll den Begriff des Judentums erfaßt hat. Wir glauben, eine höhere Auffassung vom Judentums zu haben, wenn wir das Volk der Religion, das Volk der Lehre nicht auf das Niveau eines weltlichen Volkes h er ab - drücken, das an Raum und Zeit gebunden ist und, wie alle Völker, wie Spreu vor dem Winde verweht. Wir glauben, daß wir die Einheit des Judentums zerreißen, wenn wir es in die Völker einreihen, die heute um die Macht kämpfen und weit entfernt von dem jüdisch-messianischen Ziele des Völkerfriedens und des Völkerbundes sind. Warum wollen die Zionisten es auf das Volksniveau herabdrücken, während doch Christentuni und Mohammedanismus ein über den nationalen Rahmen hinausgehendes geistiges Band darstellen? Die Zionisten glauben, sie müßten jüdisch-national sein, um im Völker- und Friedenskongreß anerkannt zu werden. Wir machen diese Konzession an die Zeitlichkeit nicht mit; wir wollen nicht, daß die Glaubensgemeinschaft auf das Niveau der Volksgemeinschaft herabgedrückt wird, so wenig es den Protestanten, Katholiken und Mohammedanern beikommt, ihre Glaubensgenossen um des Glaubens wegen zu völkischen Einheiten zusammenzuschließen. Wir sind kein Volk, sprechen keine gemeinsame Sprache und wollen kein jüdisches Volk sein, weil wir nicht wollen, daß die Juden in den Streit der Völker hineingezogen werden, und daß der Zusammenhang mit den Juden in der Diaspora zerriffen wird, was unausbleiblich ist, wenn die Juden in Palästina einen eigenen Staat gründen oder, da das zurzeit eine Utopie ist, eine Nation unter englischer Sachwalterschaft sind. Man denke an die Konflikte mit Arabern, Franzosen u. dgl. Ich