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Im deutschen Reich · 1919-03-01 · Heft 3 (März 1919) · p. 109

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 3 (März 1919)
Article
Was nun?
Date
1919-03-01
Page
109 (sequence 7)
Language
German
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WaZ nun? 109 gewährt hat, obwohl sie der offizielle Moniteur der zionistischen Vereinigung ist, und von dew sie nachher wohl schweren Herzens abgerückt ist, öffnen jedem, der sehen will, die Augen. Die Geister, die man entfesselt hat, kann man nicht meistern. Man bedenke die Würdelosigkeit und die Begriffsverwirrung, die in der Auffassung Erich Cohns liegt, wir seien hier fremd, sollten uns zwar nur um jüdische Sachen kümmern, aber die Frage nicht gar „zu ängstlich und spitzfindig lösen", weil wir sonst nach seiner Auffassung hier nicht einmal Aerzte oder Anwälte sein könnten. Als ob, wenn wir fremd wären und wenn wir nicht deutsch empfänden und fühlten, man nicht mit Recht uns auch als Anwälte perhorreszieren würde, und als ob unsere deutschen Volksgenossen die Spitzfindigkeit des Herrn Erich Cohn als eine gerechte Abgrenzung des Volksfremden ansehen würden. Sind wir fremd und nichts weiter wie Staatsbürger, die ihre staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten erfüllen, an deutscher Kultur und deutschem Volksempfinden aber nicht teilnehmen, so kann in den Zeiten, wie wir sie jetzt haben, wo nationalchauvinistische Ideen Orgien feiern, der Gedanke sich Bahn brechen, daß die Juden insgesamt gut täten, das deutsche Vaterland zu verlassen. Ich habe neuerdings von Dr. Klee, also einem Zionistenführer, die Benrerkung gehört, daß der Gedanke, die Juden seien eine Religionsgesellschaft und kein Volk, erst vor 50 Jahren von Abraham Geiger erfunden sei. Man muß sich erstaunt fragen, hat irgendeiner von uns deutschen Juden bis vor 20 Jahren etwas anderes geglaubt, als daß die Juden eine Religionsgesellschaft, Religionsgemeinschaft und kein Volk in Deutschland seien? Wissen die Zionisten nicht, daß schon im Edikt vom 11. März 1812 der Grundsatz proklamiert ist, daß die Juden als E i n l ä n d e r zu erachten seien, und daß lange vor Abraham Geiger in Preußen schon mit dem Edikt von 1812 der Begriff „jüdische Nation" aufgehört, die Juden nicht mehr als Fremde gegolten haben, nicht mehr, wie die später ergangenen Ministerialversügungen besagten, eine besondere Gemeinde, ausgenommen eine kirchliche, nicht mehr eine politische, sondern eine kirchliche Verbindung gebildet haben? Will man die Entwicklung fast eines Jahrhunderts ganz ausschalten? 3. Indessen dürfen uns die Gedankengänge jüdischer Chauvinisten nicht dazu bringen, zu verkennen, daß wir Glaubensbrüder sind, und wir dürfen mit ihnen nicht Bruderkriege auf d en Gebieten führen, wo eine gemeinschaftliche Zusammenarbeit möglich ist. Solche Gebiete gibt es unbeschadet des prinzipiellen Gegensatzes zwischen der Auffassung der Zionisteu und der des Centralvereins, a) Wir können mit ihnen kämpfen für die

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