Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 3 (März 1919)
- Article
- Was nun?
- Date
- 1919-03-01
- Page
- 106 (sequence 4)
- Language
- German
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IOC deutsch?» Reich tisch er Stellungnahme stark eingeschränkt, und gerade die Rechtsparteien, die sich jetzt über den angeblichen jüdischen Radikalismus ereifern, machen es dem Juden, sofern er überhaupt noch kein halber oder ganzer Renegat ist, unmöglich, sich ihnen anzuschließen, selbst wenn er konservativ denkt. Ich möchte von ganzem Herzen hoffen und wünschen, daß die deutsche demokratische Partei nicht bösen Beispielen folgt, und ich kann wohl sagen, daß ich eine Entwicklung bedauern würde, die manchen aufrechten Juden vielleicht entgegen seinem innersten Gefühl dahin treibt, sein einziges Heil und die Wahrung seiner Würde bei der Sozialdemokratie zu sehen. 3. In diesen Worten ist auch unsere Stellung der S o - zialdemokratie gegenüber gegeben. Die Zugehörigkeit zu den politischen Parteien ist Sache jedes einzelnen, und wer es mit sich abgemacht hat, der Sozialdemokratie beizutreten, der mag in ihr bleiben und sich in ihr betätigen. Es wäre sinnlos, den einzelnen Glaubensgenossen, die jahrelang in der sozialdemokratischen Bewegung gestanden haben, zu predigen, daß sie jetzt Zurückhaltung üben und sich von der Betätigung im öffentlichen Leben den antisemitischen Volksströmungen zuliebe fernhalten müßten. Es wäre antisemitische Politik und ein veralteter Standpunkt von uns, wenn wir Juden den Rat geben sollten, ihre politische Ueberzeugung zurückzustellen, nur um nicht den Unwillen der Antisemiten zu erregen; unsere Warnungen würden übrigens zwecklos sein. Einen Sinn hat es nur, die bürgerlichen Parteien zu warnen, daß sie durch ihre Politik nicht die Juden verbittern und dazu bringen, ihren alleinigen Schutz in der sozialdemokratischen Partei zu sehen. Gegen die Volksströmungen müssen wir kämpfen mit Waffen des Geistes. Dazu ist es nötig, daß wir ein positives Programm haben, eine bestimmte Lebensuud Weltauffassung. So wertvoll die Abwehrtätigkeit ist, wir bedürfen des positiven Programms im Kampfe gegen die jüdischen Gegner des Zentralvereins, gegen die Zionisten. B. Die innerjüdische Front: 1. Unser Programm und unser Losungswort war es, Deutschtum und Judentum zu versöhnen, eine Synthese zwischen Religion und Vaterland, zwischen Glaube und Heimat zu finden. Wir wollten gute Juden bleiben und gute Deutsche fein, selbstbewußt und treu sein, wie ich das bei der Begründung des Verbandes sagte, das Neue aufnehmen und das Alte nicht preisgeben, nicht vergessen, daß wir die Erben einer Vergangenheit sind, die es uns verbietet, restlos, d. h. unter Verleugnung unserer Väter und unter Preisgabe unserer Tradition in der Mitwelt aufzugehen. Wir wollen uns nicht einseitig assimilieren, sondern das Judentum wieder beleben auf dem Boden des deutschen