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Im deutschen Reich · 1919-03-01 · Heft 3 (März 1919) · p. 105

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 3 (März 1919)
Article
Was nun?
Date
1919-03-01
Page
105 (sequence 3)
Language
German
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Was nun? 105 von einem Häuschen Fremder ins Land getragen werde, und daß das gute treue Volk keinen Anlaß und keinen Wunsch gehabt habe, zu revolutionieren. In der großen sranzösischen Revolution und in den Revolutionen des 19. Jahrhunderts hat man allerdings den Irrwahn, daß nur die Juden es find, welche sie gemacht haben, nicht gehabt und haben können, diese Erkenntnis ist ein Produkt des fin de siede. Gewiß finden sich mehr Juden in den sozialdemokratischen Parteien, als sie in den konservativen sind; aber seit Jahrzehnten habe ich darauf hingewiesen, wie die unselige Politik der Regierung und der konservativen Parteien die Juden in den Radikalismus getrieben habe und, wenn es so weitergehe, wenn die bürgerlichen Parteien nicht umlernen würden, sie erst recht die Juden in die radikalen Linksparteien hineintreiben würden. Ich erinnerte vor Jahr und Tag an das Wort Brentanos, daß überall, wo man den Juden. die Möglichkeit der Betätigung gegeben habe, sie konservativ gewesen seien, und daß. wenn man ihnen die Tore öffne, allenthalben aus dem radikalen Disraeli ein konservativer Lord Beaconsfield werden werde. 2. In der demokratischen Partei wird es sich vorwiegend darum handeln, die lokalen Parteileitungen vor der Nachgiebigkeit gegen antisemitische Strömungen zu warnen. Mir liegt ein Wahlaufruf des Demokratischen Bezirksvereins West-Priegnitz vor, in dem man zur Empfehlung der Demokratischen Partei an führen zu müssen glaubt, daß die Partei die Juden zwar nicht fernhalten könne, ihnen aber keine führenden Stellen einräume. Das hat, wie nicht anders zu erwarten war, die Zentralleitnng zwar gemißbilligt; aber es offenbart sich doch in diesem nicht vereinzelt dastehenden Falle das Gebaren gewisser Parteikreise, antisemitischen Volkssirömungen und taktischen Rücksichten zuliebe den Juden die Gleichberechti-' gung versagen zu müssen. Gerade weil die Partei als solche den Kampf gegen Reaktion, Klassengeist und Antisemitismus durchzuführen berufen und bestrebt ist, müssen wir sie vor dem Treiben solcher kleiner, aber leider zum Teil auch an einflußreicher Stelle stehender Geister warnen. Wenn auch die deutsche demokratische Partei nicht gewillt sein wird, jeder antisemitischen Strömung mit aller Energie entgegenzutreten, so werden die Juden erst recht in die radikalen Parteien getrieben werden. Man verfalle nicht in den bedenklichen Irrtum, anzunehmen, daß die Juden als Vertreter des Kapitalismus doch nicht in Hellen Haufen zur Sozialdemokratie übergehen werden. Die Juden sind als Juden weder Kapitalisten noch Sozialdemokraten, < weder konservativ noch radikal, sie sind ebenso wie jeder andere Mensch ein Produkt ihrer individuellen Gefühle, Neigungen und Interessen. Nun hat man ihnen früher die Möglichkeiten poli-

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