Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1919)
- Article
- Aufgaben und Tätigkeit der jüdischen Berufsberatungsstellen
- Date
- 1919-02-01
- Page
- 86 (sequence 4)
- Language
- German
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Im deutschen Reich rnim aus Mitleid und mit Geringschätzung Arbeit Zu weist. Wir aber wollen, daß der jüdische Handwerker dem' nichtjüdischen in jeder Beziehung ebenbürtig ist und durch ferne Leistungen sowohl als auch durch sein ganzes Auftreten sich Anerkennung, Achtung und Wertschätzung erwirbt. Wenn der angehende Meister sich niedervassen will, Hxii er nt unseren Aufgabenkr-eis zurück; wir haben die Möglichkeit, ihm Niederlassungen nachzuweisen. Bezüglich dieser Nachweise könnte zweifellos mehr geschehen, als bisher geschehen ist, wenn alle Gemeinden die in ihnen gegebenen Niederlassungsmöglkchkerten sofort der Hauptstelle melden und diese die Meldung schnellstens der großen Oestentlichkeit zugänglich machen würde. Die bisherige Veröffentlichung genügt den Ansprüchen keineswegs. Erstens ist der Abstand zwischen den einzelnen Veröffentlichungen zu groß und zweitens ist der Kreis, dem /diese Listen zu.7e.hen, viel zu Hesii. Ist an einem Orte Niederlassung erfolgt, so ist -der Niedergelassene nach Möglichkeit zu fördern; vor allem ist unter Glaubensgenossen um Arbeit für ihn zu werben. Damit trsiöen wir innere Mission und kräftigen unser Judentum. Man komme nicht mit dem Emwanbe, dite Bevorzugung des jüdischen Handwerkers stärke tat Antisemitismus. Der nichtjudischs .Handwerker sieht es als selbstverständlich an, daß der Jude seine Glaubensgenossen bevorzugt. Bei der Riederlastung ist auch oft die Geldfrage entscheidend. In "solchen Fällen wende man sich an die Stiftungen und Vereine zur Förderung dEs Handwerks; doch sollte grundsätzlich nur durch Darlehen, nicht durch Geschenke und Almosen, geholfen werden. Betreffs der M i 1 t e l - und Unter b eamren lassen die Erfahrungen, die wir bei Gericht, bei der Post und der Eisenbahn (Sekretäre, Assistenten) gesammelt haben, ss ratsam erscheinen, eine mäßige Anzahl von Bewerbern auch weiterhin diesen Berufen zuzinühreu. Es ist allerdings zu beachten, daß der Andrang fahr groß ist, und daß bk nichts üdischs Berufsberatung dringend vor dem Ergreifen der mittleren Beamtenlaufbahn warnt. Es darf nstht übersehen werden, daß die Behörden nach Friedenskchlutz vor allen Dingen Knschädigte \:nb Kwiegsteillndhmer bei Einstellungen in w-eitesrgehender Wnse berücksichtigen müssen. Man möge auch bei der Zuführung zum Laufbahn der Mike?- und Unterbeamten Tracht aus der? Augen verlieren, daß besonders diese Beamten berufen sein werden, ckls Missionare für das Judentum sich zu botäntzen. Sie werden in ihrem Verkehr und ihrer Berührung mit dem großem Publikum durch ihr Verhalten dazu 6eirxG-gen können, daß falsche und irrtge Ansichten über Inden und Judentum widerlegt und berichtigt werden. Größte Vorsicht bezüglich des Charakters ist infolgedessen geboten. Ob es gelingen wird, jüdische Gendarmen, Polizeibeantte. Briefträger, kurzum jüdische Unte r beamte in größerer Anzahl unter unseren Glaubensgenossen zu gewinnen, wage ich nicht zu bejahen, erkenne ckber ohne weiteres an, daß ich es für außerordentlich wünschenswert Hallen würde, wenn diese Bestrebungen von Erfolg gekrönt wären. Nun zu hm Frauenöe r u f e n : Für sie gilt im großen und ganzen, was von d<r Beratung bei männl'cheo Berufen gesagt ist. Nur ist noch größere Vorsicht in Bezug auf Ruf, Charakter und sittliches Verhalten dos Lo'hcherrn und seiner Fan? Ule geboten.' Erstaunlich ist die Unkenntnis der Berufe, welche unseren Mädchen offen stehen. Bei Betätigung der weiblichen Berufsberatung ist auf Überwindung des Wöderstawdss gegen manuelle Betätigung größeres Gewicht zu legen. Es must mit der Anschauung aufgeräumt worden, als sei die Arbeit in Haus und Hof weni'M schätzenswert und würdig, als die m rr ge wo einem anderen Berufe. Hier gilt es, der Anschauung Geltung zu schaffen, daß rüchL der Beruf die Person, sondern die Person den Beruf nhdt