Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1919)
- Article
- Aufgaben und Tätigkeit der jüdischen Berufsberatungsstellen
- Date
- 1919-02-01
- Page
- 87 (sequence 5)
- Language
- German
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Mitteilungen der Hauptstelle für Berufsberatung der Juden 87 Weit schwerer als die Berufsberatung an Schülern ist die Beratung bei Erwachsenen, bei Kriegsbeschädigten oder durch andere Gründe zum Berufswechsel Gezwunzen-en. Bezügllich der Kriegsbeschädigten ist vieles versäumt, was nachgeholt werden muß, soweit es noch nachzuholen ist. Die Anregung der Harrpkstelle, die Verwundeten in den Lazaretten anfzusüchen, hat nicht allerorts die nötige Unterstützung gesunden; insolged-effen sind uns viLle wertvolle Kräfte durch Gleichgültigkeit und Nachlässigkeit verloren gegangen. Hier müssen wir unbedingt Abhilfe schaffen. Es sind bei dieser Beratung Fachleute heranzuziehen, um sestzustellen, in welchem Berufe die alren Kenntnisse und erworbenen Fähigkeiten am besten §u verwerten sind, und wie es dem Wechselnden am ehesten möglich sein wird, sich eine gesicherte Stellung zu schassen. Wir wollen aber auch nächst übersehen, daß zur Versorgung der Kriegsbeschädigten in allererster Lknre die Staats- und Gemeindebehörden in Anspruch genommen werden sollen, daß wir nicht dazu da sind, diese Zn entlasten, sondern allenfalls sie Zu ergänzen und mit Rat und Tat da sinzu springen, wo sie versagen oder wo ihre Tätigkeit efat Grenze findet. Wiederholt habe ich darauf h'ingewiesen, daß für unsere Bestrebungen die Geldfrage häufig ausschlaggebend fein wird. Es ist unbillig, zu verlangen, daß bte Gemeinden, an deren Sitz sich Provinzialstellen befinden, die nicht unerheblichen Kosten, die für eine gedeihliche Betätigung rtnserer Bestrebungen erforderlich sind, allein tragen sollen, abgesehen davon, -daß auch nur die Groß gemeinden hierzu imstande sein werden. Hier können alle Gemeinden zckgen, daß sie Len Geist der Zeit ersaßt und die soziale Bedeutung unserer Aufgäbe, die doch eine eminent jüdische ist, begriffen haben. Auch müßte es Aufgabe der Provinzialstellen bleiben, Logen, WohltärrgkEits- und Frauenvereirre sowie dke „Vereins zur Förderung Bes Handwerks" als beitragende Mitglieder zu gewinnen. Es wäre auch wünschenswert, zu versuchen, zählende Einzelmitglieder für unsere Bestrebungen zu gewinnen. Daß die Provinzial-" özw. Bezirksstelleu die Hauptstelle und die Orksstellen wiederum ihrerseits die Provintzialstellen weitgehend unterstützen, Anfragen pünktlich beantworten und in jeder Beziehung Hand in Hand mit ihnen arbeiten sollen, ist selbstverständlich. Vor allein aber ist im Auge zu behalten, daß die Haupt- und ProvinzialsteLen nur Anregungen geben und raten können, das „Täten" aber Ausgabe der örtlichen Berater sein muß. Wenn in dieser Hinsicht keine Stelle es an ernster Arbeit fehlen lHßt, jede unbeirrt durch Ablehnungen und Fehlschlüge dem Ziele znstrebt, dann werden wir auch dieses Ziel erreichen: durch die jüdische Berufsberatung -d?e Gesundung -der sozialen Schichtung der d e u tschen I u d e n h e i t. MiLteUurrgLA der HsrrpLfLMs für Berufs- Heruturrg der Zuderu (Eentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Berlin 8^. 63, Lindenstratze 13.) JaMar 1919. Nreher'tüssmrgswsglichkerLerr für KrleMerLnchMer. Das vorrderHaupLftcüe für Berufsberatung an die Ortsgruppen und Vertrauensmänner des Centralvereins sowie an die jüdischen. Gemeinden gerichtete Rundschreiben hat .dankenswerte Erfolge gehabt. Die Hauprstelle ist in der Lage, namentlich einer größeren Anzahl selbständchec jüdischer .Handwerker Niederlajfungsmöglichkeiten mit Aussicht auf eine gute Existenz nachchweisen. Die Niederlassung füim teilweise mit ganz geringen^Kapitalsmitteln be-