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Im deutschen Reich · 1919-02-01 · Heft 2 (Februar 1919) · p. 85

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 2 (Februar 1919)
Article
Aufgaben und Tätigkeit der jüdischen Berufsberatungsstellen
Date
1919-02-01
Page
85 (sequence 3)
Language
German
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Aufgaben und Tätigkeit der jüdischen Verussberatungsstellen 85 unlängst rmchgewisM, und ich kann frkfe Darlegurrgen aus eigenster Erfahrung bestätigen. Zwar scheint sich m dieser Beziehung eftte Besserung anzu-bahnen, da die tzauprsteLe türzlkch bekanntgab, daß sie imstande sei, Lehrstellen bei Land wirken nachZuweiseu. (Inzwischen hat sich auch bas Simönsche Seminar für Gartenbau und Handfertigkeit in Perne i. H. zur Aufnahme und Busörbdung von larLdwirrfcho ftlichen Eleven beroiterklärt. Ausbildung als Landwirte erhalten jüdische junge Leute auch auf dem Güre -der Ämsn-Stifkumg m Stesnhorst bei Celle i. Hann. Wei'tere Ausbildungssläklen sind im Entstehen.) Auch im Handwerk stellen sich dem jüdischen Lehrling allerhand Schwierigkeiten Lntgegen. Der jüd'vsche Harsdwerker sträubt sich nicht selten, mit Rücksicht auf Sabbat und Feiertage, einen jüdischen Lehrling ernzustellen, der christliche haufvg aus Borurteil. Jedenfalls ist -der Frage des Lehrstellennachweises ernste Aufmerksamkeit zu widmen. Ohne Lehrftellenn-achweis schwebt unsere Tätigkeit ito der Luft. Eltern und Kinder ermüden bei vergeblichem Suchen, und die Folgen sind klar. Ist aber eine Lehrstelle gefunden, so ist der Abschluß eines Lehrke-ntraktes erforderlich, um die beiderseitigen Rechte und Pflichten sestzusetzen und spätere Stasiugleiten zu vermeiden. Augenblicklich wiwd die Unterbringung von Le'hrrinnen auf besondere Schwierigkeiten dann flößen, wenn Wert auf Beköstigung im Hause des Lehrherrn und noch mehr au? rituelle Beköstigung gelegt wststd. Häufig scheitert die Lehrlingsfrage auch "am Geldpunkte. " Ein fache Lebte möchten oft gern ihre Kinder dem Handwerk zu führen, finden aber an ihrem Wohrrorke keine passende Gelegenher?, und für sie an einem anderen Orte die Unt-erha'ltungskoften a'üfKUöringen, erlauben ihnen ihre Mittel nicht. Hier müssen unsere Beratungsstellen emgreifen. Keineswegs"gleichgültig darf es uns sein, bei welchem Meister unsere Kinder untergebr-a-chL sind/ Kain Lehrling soll in einen Betrieb gegMn wenden, der der Lshrl?7G§Züchierei d^ent. Auch Ruf und Charakter des Meisters sind in Betracht Zu ziehen. Es soll bei Abfassung des Lehrkontra ktes -btem? bet nachd'rückli'chste Wert gelegt werden, daß fein Pfuscher großgezoZen wird. Es rx Eltern und Lehrlingen klarzwmachen, daß es mehr aus eine gründliche Ausbildung als auf Aue möglichst kurze Lehrzeit ankommt. Man meide deshalb auch Privatsachschulen mit hochtönenden Titeln, die viel versprechen und wen ist hallten. Ist der Lehrling nun bei einem geeigneten Lehrherrn ckrtergebracht, so st-ll es Aufgabe der Beratungsstelle bleiben, jenen dauernd zu über» machen, um zu sehen, ob er Eine Pflicht tut und vorwärts kommt, und üb ihm mich fein Recht wird, ferner, damit der Lehrling sieht, daß man [einen Werdegang mit /nitre?/ verfolgt. Dawird ihn in den meisten Fällen ansporncm. Wo sich Geleaenhelt zum Besuche der Fortbildungsschule bietet, soll sie dom Lehrling Vahraenommen werden; sonst ist dieser zur SetbstfOrtbildung durch gute Fachuwrcttur anzuregen. Auch soll er zum Eintritt in dir jüdischen Jugend.vereine veranlaßt werden, dem? wir wollen nicht nur Handwerker, sondern jüdische Handwerker her anbilden. Wenn der Lehrling Geselle geworden ist, entwächst er eigentlich unserem Aufgabeukrrise, und wir können Mur wenig für ihn dun. Wohl vermögen w?r durch unsere Stellennachweise ihm zu Hilfe zw kommen und können ihn aus den Besuch von Fachschulen Zur weiteren Fort- und Ausbildung Hinweisen. Auch ist der Geselle drmglichst vor dem großen Fehler der a 11 ö n f r ü her? Selb st ä n d i a r e? i Zu ' warnen. 'Mir mangelhaften Kenntnissen infolge ungenügender Ausbildung läßt sich nach kaum vollendeter Mlitärzsit der junge Meister nieder und kragt'nicht selten dazu bei, den jüdischen Handwerker?n den Ruf zrr örinsten, daß er ein Pfuscher sei. Er wiwd immer 'der Rächmsnus-Handwerk/r bleiben, dem

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