Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1919)
- Article
- [Ohne Titel] / J. Sch.
- Date
- 1919-02-01
- Page
- 74 (sequence 7)
- Language
- German
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74 Im deutschen Reich 9. Juli >d. I. irr der »Staatsbürgerzeitung* mrter der lleberschrist: »Wer macht die Revolutionen?^ erschienen ist. Darin heißt es: »Wer einer hat uns gejei-gtj woraus wir unser Augenmerk richten müssen. Es war kein Antisemit, sondern der jüdische Professor Grcretz- Breslau, der die Ergebnisse seines viÄtzSndigen Geschichtswerkes über fein eigenes Volk zu^mmenfcKt kn dem Satze: Die Revolution ist der Stern Judas. Der mußte es wissen? Demgegenüber erkläre ich folgendkS: Seit mehr als 4V Jahren vergeht für mich nahezu kein Lag, an dem ich mich nicht mit der Geschichte meines Lehrers und Amrsvorgängsis beschäftigte. Etwa die Hälfte der Bände habe ich selbst im Lause der letzten fünfzehn Jahre in neuer Bearbeitung herausgrgeberr. Ich glaube demnach, den Anspruch darauf erheben zu -dürfen, daß ich in -dem Gesamtwerk Bescheid weiß. Auf Grund dieser Tatsache halte ich den Graetz zugsschrieSenen Satz: »Die Revolution ist der Stern Judas' so lange für eine glatte Erfindung» bis nach Band und Seitenzahl der Fundort angegeben fern wird. Die öffentlichen Blatter bitte ich, von dieser Erklärung Kenntnis zu nehmen und sie abzudrucken. Breslau, Ende Oktober!212." Prof. vr. Braun fügt noch folgende Bemerkung hinzu: Vorstehende Erklärung ist damals allen mir bekannten Zeitungen, antisemitischer Tendenz, ganz besonders der „Staatsbürgerzeitung", zugegangen. Keine e i n zige v o n ihnen hat davon Kenntnis genommen. Das Ergebnis würde zweifellos das gleiche sein, werrn heute derselbe Versuch wiederholt würde. Alle ernsthaften öffentlichen Blätter aber, die wirklich für das Recht und für die Wahrheit eintreten, bitte ich hiermit wiederholt, ihren Lesern von der vorstehenden Erklärung Kenntnis geben zu wollen. — Ob es etwas nützen wird? Wir bezweifeln es. Den Antisemiten ist die Lüge das, was uns das Atmen ist. Dis Wahlen zur Nationalversammlung haben ein Ergebnis gezeitigt, mit dem wir Juden, gleichgültig welcher politischen Richtung wir angehören, zufrieden sein können. Die drei Parteien, die stets gegen jeden Rassenhaß aufgetreten sind, haben eine unerschütterliche Mehrheit in der Nationalversammlung erlangt und überflügeln wert die zur Mehrheit in der 421 Abgeordnete zählenden Konstituante erforderlichen 211 Abgeordneten. Die alte sozialdemokratische Partei mit ihren 164, die Deutsche demokratische Partei mit ihren 7? und die Unabhängigen mit ihren 24 Vertretern zählen zusammen 265 Abgeordnete Antisemitische Versuche und Bestrebungen auf dem Gebiete der Gesetzgebung und Verwaltung sind von vornherein zur Ohnmacht verurteilt. Das frühere Zentrum, jetzt „Christliche Volks- Partei" genannt, das aus seiner ausschlaggebenden Stellung verdrängt wurde, dürfte bei antisemitischen Vorstößen seine stattliche Zahl von 88 Stimmen ebenfalls zugunsten der Gleichberechtigung aller deutschen Staatsbürger in die Wagschale wer-