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Im deutschen Reich · 1919-02-01 · Heft 2 (Februar 1919) · p. 70

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 2 (Februar 1919)
Article
[Ohne Titel] / J. Sch.
Date
1919-02-01
Page
70 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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Im deutschen Rekch 70 Deutsch-nationalen Volksvartei bilden die früheren Konservativen, bildet der Bund der Landwirte, der grundsätzlich keine Juden ausnimmt, bilden die Antisemiten aller Schattierungen Programm wie Name waren aus Gimpelfang berechnet. Die Konservativen, die Freikonservativen, die Rechtsnationalliberalen, die Alldeutschen, die noch vor ganz kurzem nicht einmal den männlichen Preußen das gleiche Wahlrecht gewähren wollten und darum in „allergetreueste" Opposition gegen den König traten, die ständigen -Verfechter der Standesvorrechte, denen das Volk stets Objekt, nicht Subjekt der Gesetzgebung war, nannten sich plötzlich Volkspartei. Weniger überraschend war die Bezeichnung: Deutsch-national. Jene Herren waren ja immer die Erbpächter des monarchischen Gedankens, die „Triarier Sr. Majestät", die den König aber befehdeten, wenn er ihren Interessen nicht diente; sie waren auch stets die Erbpächter der Vaterlandsliebe, soweit sie einträglich war und keine Opfer forderte. Brachte die Regierung ein Gesetz ein, das auch ihnen Opfer auferlegen sollte (man denke z. B. an die Erbschaftssteuer), dann handelte die Regierung nach ihrer Behauptung schlechtweg gegen die Interesse:: des Vaterlandes. Vaterland war den meisten von ihnen gleichbedeutend mit Eigeninteresse. In diesem Sinne lag es nahe, daß sie das Wort „deutschnational" in ihre Geschäftssinns aufnatzmen. Welche Anmaßung zugleich liegt aber hierin! Den anderen wird indirekt zugerufen: Ihr seid nicht deutsch-national! In einem Wahlaufruf hieß es auch sogar, daß diese Partei allein den Mut gehabt habe, sich deutsch-national zu nennen, das heißt, die anderen denken international. Man betont nicht etwas, was selbstverständlich und darum überflüssig ist. National sind alle Parteien, selbst die Sozialdemokratie; denn man kann internationale gemeinsame Ziele verfolgen, ohne das Vaterland auch nur um ein Tüpfelchen preiszugeben. Man kann. andererseits reinnationale Ziele verfolgen und dadurch das Vaterland aufs empfindlichste schädigen. Was .die Sozialdemokratie von den Bürgerparteien trennt, ist nicht das Internationale — auch von der Landwirtschaft spricht man als von der grünen Internationale —, sondern die im Erfurter Programm festgelegte Vergesellschaftung aller Produktionsmittel, die Sozialisierung aller Betriebe, die Gleichmachung aller Kräfte, die die Unterdrückung, zum mindesten die Nivellierung aller Individualitäten und der schöpferischen Geister zur Folge haben würde. Zu dem sechsköpsigen Vorstand der Deutsch-nationalen Volkspartei gehört der antisemitische Abgeordnete Professor Dr. Werner- Gießen. Er hat noch zwei Tage vor der Wahl zur Nationalversammlung in den „Deutschvölkischen Blättern"

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