Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1919)
- Article
- [Ohne Titel] / J. Sch.
- Date
- 1919-02-01
- Page
- 69 (sequence 2)
- Language
- German
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Umschau 69 angeblich jüdische Regierung die angeblich jüdischen Spartakusleute mit Waffengewalt unterdrückt und Ordnung geschaffen, da krochen die Antisemiten aus dem schützenden Dunkel wieder hervor und wälzten abermals eine schlammige Flut von Verhetzungen durch die Straßen. Die äußere Veranlassung bot die Wahl zur Nationalversammlung. Nie wird so viel gelogen wie im Kriegs, nach der Jagd und vor den Wahlen. Man ist es darum gewohnt, während der Wahlkampfe Behauptungen von Parteirednern und -blättern gegen die Gegner nicht aus der Goldmage zu messen, man läßt häufig fünf gerade sein. Aber hier handelte es sich nicht um die Bekämpfung einer Partei von Juden, der der Gegner Abbruch tun will, sondern schlechtweg um die Bekämpfung politischer Parteien, von denen jede die Stimmen der Juden genau so gern empfangen wollte wie die von Christen, so daß die Bekämpfung des Judentums und der jüdischen Deutschen in diesem Zusammenhang mindestens unehrlich war. Zur Unehrlichkeit gesellten sich aber Lügen und Verleumdung. Wenn nach dem Worte Friedrich Theodor Wischers „das Moralische sich immer von selbst versteht", so kann man angesichts der Flugblätter der Deutsch-nationalen Volkspartei und ihrer Anhängsel nur sagen: bei den Versasiern dieser Schmutzblätter versteht sich das Unmoralische immer von selbst. Das ist ja geradezu ein Fluch des Antisemitismus, daß er, wo er auch angreift, Unfrieden und Gehässigkeit sät, wo er auch den Mund auftut, als Verleumder und Vergewaltiger der Wahrheit austritt — nicht nur jetzt, sondern immer schon und zu jeder Zeit. Wir lassen jede Anschauung gelten; wir wissen, daß sich Gefühle nicht gebieten lasier:. Es gibt ehrliche Feinde des Judentums und der Judenheit, wie es auch ehrliche Feinde des Protestantismus, des Katholizismus, des Mohammedanismus, und auch ehrliche Feinde der Deutschen gibt. Was wir aber verlangen, ist Ehrlichkeit im Kampfe. Was den Antisemitismus in Deutschland, Oesterreich und eigentlich überall so verwerflich machte, ist, daß er, da ihm sachliche Argumente fehlen, gezwungen war, zn Lügen, Erfindungen, Entstellungen zu greisen, und auf die Dauer sich so daran gewöhnte, daß er gar nicht mehr anders kann als unsittlich denken, suhlen und handeln. * Die Deutsch-nationale Bolkspartei hat sich im Wahlkampfe als Vertreterin des Antisemitismus enthüllt. In ihrem Programmaufruf hat sie versichert, die Aemter in Staat und Gemeinde ohne Rücksicht auf Parteistellnng und Religionsbekenntnis nach Maßgabe der Befähigung der Beamten zu besetzen. Aber der Kundige lächelte; denn das Rückgrat der