Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1919)
- Article
- Nationaljüdischer Radikalismus
- Date
- 1919-02-01
- Page
- 60 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316888-2316890-2355197--29467-2355280- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
60 Jin deutscheir RekH Frage nicht leicht nehmen. Ans der jüngst verunglückten Berständigungskonferenz der Jugendorganisationen sagte ein junger Herr, namens Dr. Löwenstein, wie folgt: „Auf Grund der Verfassung, die jedem preußischen Staatsbürger^ und jedem Deutschen gleiche Rechte gewährt, müssen wir verlangen, daß wir sie haben, ohne daß nach unserer Gesinnung (!), ohne daß nach unserem Standpunkte zur deutschen Kultur in irgendeiner Form gefragt werden darf. Jeder ' hat bei uns gleiche staatsbürgerliche Rechte, die nur verlorengehen, wenn man als Verbrecher zum Verluste der staatsbürgerlichen Rechte verurteilt wird." Diese Meinung darf man nicht frivol nennen, weil sie nur maßlos leichtsinnig und oberflächlich ist. Ss wie diese ad hoc fabrizierte Theorie denkt eben der nichtjüdische Deutsche nicht! Er darf das Bekenntnis zu deurscher Gesinnung und deutschen K u l t u r w i l l e n , darf vsr allen: Mitarbeit verlangen, und das mit Recht. Schließen sich die Juden aus, so wird die Gleichberechtigung gefährdet. Diese Konsequenz, von der man in alldeutschen Kreisen tagtäglich spricht, wird natürlich alle treffen, ob sie nun solchen selbstmörderischen Theorien zuneigen oder nicht. Man hört gern in der nichtjüdischen Welt aus die jüdischen Tiraden, mit denen man den Boden unseres Rechtes untergräbt. Und wir, die wir für die Sünden anderer leiden müssen, werden allen Grund haben, die Gefahr im eigenen Lager zu bekämpfen. Die unbesonnenen deutschen Nachbeter eines Klatzkin, Herr Cohn und seine Freunde, gefährden alles: bürgerliche Existenz, religiöse Freiheit, Ehre und sogar Eigentum und Leben! Ja, sogar Eigentum und Leben! Wollen wir den Kopf in den Sand stecken und leugnen, daß man in unserer alldeutschen Presse durch unaufhörliches Hetzen die Bolksleidenschaften zur Siedehitze zu erregen versucht? Hat man nicht in den ersten Wochen der Revolution offen von einer Pogromstimmung reden und zum Schutze der Juden Vorkehrungen treffen müssen? Man lese doch die judenfemdlichen Flugblätter und prüfe die Argumente, mit denen sie kämpfen! Sie gleichen aufs Haar den Anschauungen, die unsere radikalen Narionaljuden beherrschen. Wir dürsten wohl jetzt Grund genug haben, besonders vorsichtig zu sein und nicht durch törichte Deklamationen exaltierter Fanatiker und verführter unreifer Kinder Oel ins Feuer zu gießen. Die Hände, die das Porzellan so mutig zerschlagen, fürchten von den Scherben für sich gewiß nichts. Aber wir anderen werden es vielleicht teuer bezahlen müssen, wir werden die Wunden verspüren.