Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1919)
- Article
- Nationaljüdischer Radikalismus
- Date
- 1919-02-01
- Page
- 52 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316888-2316890-2355197--29459-2355272- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
52 Im deutschen Reich schlechthin Wesensfremde, sind — wir müssen es immer wiederholen — ein Fremdvolk in eurer Mitte und wollen es auch bleiben. Eine unüberbrückbare Kluft gähnt zwischen uns und euch; fremd ist uns euer Geist, euer Mythos und Sage, euer nationales Erbgut, fremd sind uns eure Ueberlieferungen, Sitten und Bräuche, eure religiösen und nationalen Heiligtümer, eure Sonn- und Feiertage, — sie sind uns grauenhafte Erinnerungen an die mit Vorliebe an diesen Weihetagen von euren Vätern an den unseren verübten Schandtaten; ftemd sind uns eure nationalen Gedenktage, die Freuden und Schmerzen eures Volkswerdens, die Geschichte eurer Siege und Niederlagen, eure Kriegshymnen und Schlachtlieder, eure Machtheroen, eure grausamen Heldentaten, fremd sind uns eure nationalen Gelüste und Eroberungen, eure nationalen Strebungen, Sehnsüchte und Hoffnungen. Eure Landesgrenzen grenzen nicht unser Volk ab, und eure Grenzstreitigkeiten sind nicht die unsrigen, über sie hinaus besteht unsere Einheit, über alle Bedingungen und Scheidungen eures Patriotismus hinweg." Wenn nun harmlose Gemüter etwa gemeint haben, daß die pathetischen Deklamationen Klatzkins den Gipfel der ebenso geschmacklosen wie undankbaren und den Juden gefährlichen Verhetzung darstellen, so haben sie nicht bedacht, daß sie doch nur Theorie sind, aus der man die praktischen Folgerungen noch ziehen mußte. Als gehorsamer Schüler Klatzkins stellt sich uns nun in Nr. 57 der „Jüdischen Rundschau" vom 24. Dezember 1918 ein Herr Erich Cohn vor, der nach der Anweisung seines Herrn und Meisters die Wahlen zur Nationalversammlung behandelt und dem deutschen Juden ein geradezu ungeheuerliches Verhalten vorschreiben will. Klatzkin redet von „uns Juden", er schließt also in erhebender Bescheidenheit auch jene ein, die seinen Standpunkt verdammen. Cohn ist wenigstens so gütig, zwischen Zionisten und Nichtzionisten zu scheiden. Wir wollen uns nun keineswegs in innere zionistische Angelegenheiten mischen, aber vielleicht interessiert es zu hören, was er seinen Gesinnungsgenossen zumutet, denn es dürfte unter den Schekelzahlern deutscher Staatsangehörigkeit recht viele geben, die noch nicht zu der ihm eigentümlichen Klarheit und Entschiedenheit des Denkens sich durchgerungen haben. Das Problem heißt, „ob es uns Nationaljuden ziemt, uns am deutschen politischen Leben aktiv zu beteilig en."*) Die Grundlage der Lösung bietet der Satz: *) Dies wie vieles aus dem Folgenden von uns gesperrt.