Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1919)
- Article
- Nationaljüdischer Radikalismus
- Date
- 1919-02-01
- Page
- 51 (sequence 3)
- Language
- German
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Nalionaljüdischer Radikalismuvorliegen, sondern daß man einen gemeinsamen Quell suchen darf. Die in diesem Begebnis jum Ausdruol kommende Denkweise ist denn auch weit mehr verbreitet, als mancher ahnen mag. Man soll solche Dinge weder zu leicht noch zu schwer nehmen. Insbesondere soll man die Sonderfälle an sich nicht überschätzen. Denn daß die verführten jungen Leute nicht nur grobe Taktlosigkeiten, sondern auch kapitale Dummheiten begangen hatten, sahen sie fast immer sogleich ein. Das naheliegende Argument, daß sie bei solcher Gesinnung als ehrliche Menschen selbstverständlich auch das Geschenk der deutschen Bildung zurückweisen und die deutschen Schulen verlassen müßten, genügte meist, um sie von der Torheit und Unwahrhaftiakeit einer solchen Erklärung zu überzeugen. Unterschätzen darf man aber die Tatsache nicht, daß diese Gesinnung gleich einem schwelenden Brande bald hier, bald dort aufslackert, und daß sie tagtäglich neue geistige Nahrung erhält. Denn ein radikaler Geist durchzieht heute einen nicht unbeträchtlichen Teil aller nationaljüdischen Veröffentlichungen Die neuen zionistischen Zeitschristen, Martin Bubers „Jude", das studentische Organ „D e r j ü d i s ch e W i! l e", die Jugendzeitschrift „I e r u b b a a l" beeinflussen ihren Leserkreis fast systematisch in kulturzionistischem Sinne. Buber verlangt aus der Verständigungskonferenz (!) der jüdischen Jugend, die am Nationaljüdischen Radikalismus scheiterte, ein Primat des Judentums und will demnach, daß jede Frage in erster Reihe vom jüdischen Standpunkt, aus beurteilt werde, und daß das Judentum für uns in allen Fragen über allen anderen Gemeinschaften stehe. Man stelle sich vor, was das bei einer politischen Angelegenheit, etwa bei der Regelung der Beziehungen Deutschlands zum feindlichen Ausland, bedeuten muß. Und wer anders empfindet, dem gibt Buber einfach den guten Rat, er solle zu der anderen Gemeinschaft gehen und in ihr tätig sein, was praktisch, wenn auch Buber diese Folgerung gewiß nicht gemeint hat, daraus hiuauskommen müßte, daß man sich taufen ließe. Ein ähnliches, viel beachtetes Attentat aus die jüdische Einheit hat der natioualjüdische Theoretiker K l a tz k i n verübt, .dessen im vergangenen Sommer in der jüdisch-akademischen Studentenverbindung Nehardea zu Basel gehaltene Rede es . verdient, einer größeren Oeffentlichkeit zugänglich gemacht zu werden. Denn es heißt in ihr, wie folgt: „Wir sind nicht Deutsche, Franzosen usw. und Juden obendrein, unser Judesein ist nicht Ueberbau eines Deutschseins usw., wie es ihm nicht Unterbau ist, diese Seine schließen sich gegenseitig aus. Wir sind Juden ohne Bindestrich; weil ohne Abstrich, Juden ohne Verklauselung und ohne Vorbehalt; wir sind