Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1919)
- Article
- Nationaljüdischer Radikalismus
- Date
- 1919-02-01
- Page
- 50 (sequence 2)
- Language
- German
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50 Im deutschen Reich Zusammenfassung in aller Welt sehnt, beweglich über die Zerrissenheit der deutschen Judenheit jammert, zu gleicher Zeit aber die politischen Desperados gewähren läßt, die durch ihre unbedachten Handlungen unfehlbar eine Spaltung herbeiführen werden, über die keine Brücke mehr führen kann. Der Centralverein hat dem Zionismus gegenüber eine neutrale Stellung eingenommen, und namhafte Anhänger der Bewegung — besonders jene, die heute noch an den Ideen Herzls festhalten — sind seine Mitglieder. Wenn im Jahre 1913 die sogenannte Zionistenresolution gefaßt worden ist, so wandte sie sich nur gegen gewisse Auswüchse des K u l t u r z i o n i s m u s. Dieser erblickt seine Aufgabe in der Schaffung einer jüdischen Kultur auch außerhalb Palästinas, und es liegt in der Natur der Sache, daß er weniger aufbauepd neue Werte erzeugt, als daß er alte zerstört. Deutsche Juden sucht er ihrer Kulturumgebung zu entziehen, um eine allmähliche Entfremdung herbeizusühren, die Grundlage einer neuen, rein jüdischen Arbeit sein kann. Der hemmungslose, unbedachte und unverantwortliche Radikalismus, der unerhörte seelische und politische Konflikte vorbereitete, zwang zu scharfer Abwehr, die heute um so nötiger ist, als die Bewegung auch im offiziellen Zionismus immer mehr die Oberhand zu gewinnen scheint und dieser sich aus einer politischen Partei in eine Kulturströmung umzuwandeln beginnt. Ganze Organisationen des Nationaljudentums pflegen mehr oder minder bewußt einen extremen Kulturzionismus. Die Wandergruppen des „B l a u-W e i ß" - Bundes und das „K a rt e l l j ü d i s ch er V er b i n d un g en", das die zionistische akademische Jugend eint, können als die Kadettenanstalten der Bewegung angesehen werden. Wie aber solche Agitation auf jugendliche Gemüter wirkt, wie sie — gewiß gegen den Willen der nationaljüdischen Führer — zu einer Stellungnahme gegen alles Deutsche verführt werden, mag der Fall erweisen, der die allgemeine Presse bereits beschäftigt hat und der als typisch angesehen werden kann. Zwei jüdische Untersekundaner in Königsberg in Preußen erhalten das Aufsatzthema: „Wie werde ich ein guter Deutscher?" Sie erklären, daß sie als Nationaljuden sich nicht als Deutsche fühlten (!!) und das Thema nicht bearbeiten könnten, weil es gegen ihre Ueberzeugung fei! Man wird einwenden, daß es sich um eine Ausnahme handelt, der man nicht durch unnützes Aufbauschen eine Bedeutung geben solle, die ihr nicht innewohnt. Dem ist aber nicht so. Private Erfahrungen dieser Art dürften die meisten jüdischen Religionslehrer verzeichnen können, und es ist sonnenklar, daß nicht Verfehlungen einzelner unreifer Kinder