Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1919)
- Article
- Mehr Aufklärung
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 38 (sequence 3)
- Language
- German
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38 Im deutschen Reich „Ich denke, das wahre Große in der Welt Ist immer nur das, was nicht gleich gefallt!" Da gilt es aber noch, Berufene zu finden, die Führer und Lehrer sein können. All diese Arbeit mutz in allererster Linie für unsere jüdische Jugend geleistet werden! Erst wenn es unseren jungen Glaubensgenossen gelingt, tiefer in den Geist jüdischer Kultur einzudringen — und was ist Kultur anderes als der Ausdruck der Volksseele — wird die Jugend der geeignete Vermittler Zwischen Judentum und Christentum sein. Wir wollen aber durchaus nicht engherzig unsere Schätze den Andersgläubigen verschließen, ^anz im Gegenteil. Es erscheint mir als ein recht glücklicher Gedanre, gerade in Sammlungen wie „Aus Natur und Geisteswelt", „Wissenschaft und Bildung" u. ähnl.., die in gebildeten Kreisen aller Konfessionen heimisch sind, jüdische Literatur zu bringen. Das aber macht es uns doppelt zur Pflicht, mit Wissen gerüstet Zu sein, um bei mangelndem Verständnis Aufklärung geben zu können. Und dann eins nicht vergessen: Frei sein und gerade sein, stolz und stark, treu seine Pflicht erfüllen als Mensch und als Staatsbürger. Das find Waffen, mit denen man am besten Unkenntnis' und Verleumdung bekämpft. Die Hochachtung unserer Mitbürger öffnet leichter verschlossene Tore als Worte und Bücher! L. S. Ferner wird uns Zu diesem Thema geschrieben: Den Ruf des im Felde stehenden Lesers nach „Mehr Aufklärung!" (Märzheft 1918) kann ich nur aus das wärmste und energischste unterstützen. Eine ganze Reihe von Offizieren, die sich einmal mit mir über diese Frage aussprechen wollten, haben es mir gegenüber mit geradezu rührender Offenheit Zugestanden, daß sie sich des Eindrucks nicht erwehren könnten, daß sie „einseitig" unterrichtet seien; sie haben diese Tatsache zugleich bedauert, da sie dadurch zu einem einseitigen Urteil gelangt seien, an dem sie aber zunächst sesthalten müßten. Sie waren mir für die in vierstündigen Sitzungen gegebenen Aufklärungen sehr dankbar. Daß gelegentlich solcher Diskussionen das Bedürfnis nach einem guten, auch dem Nichtjuden verständlichen Lehrbuch zutage trat, ist selbstverständlich — einmal zur Ausfüllung der immer bei Diskussionen zurückbleibenden Lücken und zur weiteren Vertiefung in die Materie; dann aber auch, um den vorgetragenen Tatsachen und Meinungen den Schein des Subjektiven zu nehmen und sie auf eine breitere, autoritative Grundlage zu stellen. Ich habe mich nun durch Umfrage bei verschiedenen Buchhändlern und Rabbinern bemüht, ein solches Buch aufzutreiben — mit negativem Erfolg, da keines der mir zugesandten die gleich zu formulierenden Bedingungen, die wir an ein solches stellen müssen, erfüllt. Wie soll nun ein solches Buch beschaffen sein und was soll es enthalten? In erster Linie darf es nicht zu umfangreich und nicht zu teuer sein; man kann unmöglich von dem interessierten Gebildeten verlangen, daß er sich Wochen- oder gar monatelang mit dem Durcharbeiten eines dick- und vielbändigen Werkes beschäftige, um sich ein eigenes Urteil in einer Sache zu bilden, die eben doch außerhalb seiner Berufs- und sonstigen Tätigkeit liegt. Die wenigsten, die sonst ein wohl zutreffendes Bild von Bismarck gewonnen haben, werden seine Reden in den 39 Nummern der ReeLambrdLiolheL gelesen haben, und ebenso ist