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Im deutschen Reich · 1919-01-01 · Heft 1 (Januar 1919) · p. 37

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 1 (Januar 1919)
Article
Mehr Aufklärung
Date
1919-01-01
Page
37 (sequence 2)
Language
German
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Mehr Aufklärung Die Ausführungen gipfeln in dem Ergebnissatz, „daß die Zugänglichkeit gebildeter und sonst vorurteilsloser christlicher Kreise gegenüber antisemitischen Entstellungen der jüdischen Religion und Ethik nicht zuletzt in der mangelnden Aufklärungstätigkeit der deutschen Juden selbst ihren Grund hat. Häufig, empfindet der deutsche Christ im Juden nur deshalb etwas Fremdes, weil er für das Verhalten der Juden in religiösen Dingenkeine Erklärung bekommt." Von der Erklärung gewisser Zeremonien sehe ich ab, das ist wohl nicht gemeint. Glaubt der Herr Verfasser wirklich, daß auch nur ein winziger Prozentsatz christlicher Mitbürger in das Wesen jüdischer Seele und jüdischen Geistes einzudringen vermag, selbst wenn eine tadellose Talmudübersetzung in Zwanzigpfennigheftchen' bei Reclam erscheint? Ich zweifle nicht daran, daß literarische Feinschmecker mit ästhetischem Entzücken die köstlichen Früchte jüdischer Geisteswelt genießen würden. Werden sie aber die Seele in der wundervollen Hülle finden oder nur suchen wollen und erst damit den Geist jüdischen Wesens richtig erfassen? Nein. Es ist ein Unterschied zwischen Vererbtem und Erworbenem. Und doch sage ich mit dem Verfasser: Mehr Aufklärung! Aber warum dem Nachbarn leuchten, wenn im eigenen Hause Personen in der Dunkelheit den Weg nicht finden und Gefahr laufen, zu stolpern? Müßte nicht, ehe wir Nichtjuden aufklären wollen, Sorge getragen werden, daß die Frage „wir wissen selbst nichts darüber"ganz schwindet? Da ist ein Feld, das brach liegt! Da wird sich die Arbeit lohnen! Vielleicht hatte der Herr Verfasser schon manchmal Gelegenheit, einen Blick in den Bücherschrank jüdischer Hauser zu Lun. Selbstverständlich sind nicht Leute gemeint, die ihre Bibliothek nach dem Raum des Bücherschrankes bemessen einkaufen. Ich denke an Menschen, zumal an junge, die mit Geschmack ihre Bücher wählen. Ist es nicht erstaunlich, wie wenig Raum die jüdische Literatur einnimmt? Wie spärlich kennt man die eigenen Glaubensgenossen! Ausnahmen bestätigen hier wie überall die Regel. Sind nicht die jüdischen Familien zu zählen, in denen, um nur einen herauszugreifen, Franzos heimisch ist? Daß eine zwölfbändige Talmudübersetzung von Lazarus Goldschmidt, auf idie die Schriftleitung in eine'r Anmerkung hinwies, niemals volkstümlich werden kann, leuchtet wohl jedem ein. llnb die Jugend drängt doch nach Wissen vom Judentum, nach Kennenlernen jüdischer Geistesgrößen! „Reinster jüdischer Geist in vollendeter deutscher Sprache und zeitgemäßen Ausgaben", darin stimme ich mit „dem jungen Leser aus dem Felde" überein, wird uns dem Ziele näher bringen. Auch nicht ausgewählte Sätze, sondern zusammenhängende Teile biete man uns dar. Warum aber sollte man nicht bei Talmudübersetzungen z. B. just so gut einen Kommentar zur Hand nehmen wie beim Faust? Doch wie bei der Volkswirtschaft Produktion und Konsumtion ineinandergreifen müssen,, so ist es auch hier mit dem Schaffen allein nicht getan, und

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