Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1919)
- Article
- Mehr Aufklärung
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 39 (sequence 4)
- Language
- German
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Vereinsnachrichteu 39 es mit den vielen, vielen Tausenden, die die oft unfreiwillige Muße des Schützengrabens -dazu benutzt haben, um in die Geheimnisse der antiken, der altgermanischen, buddhistischen usw. Literatur einzudringen. Deshalb ist es tu. E. für diesen Zweck — so wünschenswert es auch sonst sein mag — nicht erforderlich, daß die Herausgabe der deutschen Talmud- Ausgabe beschleunigt werde oder daß der Talmud in populärer llebersetzung erscheine. Der Verfasser eines brauchbaren Buches müßte also „auswählen". Einige Hinweise auf das, was wir zunächst besprochen, und was am wenigsten bekannt war, und was am meisten geeignet ist, das Judentum in anderem Lichte erscheinen zu lassen, als es der Antisemitismus tut, seien gestattet. Zunächst wäre eine kurze Uebersicht über die Quellen der jüdischen Religion (Thora, T'nach. Mischnah, Gemara usw.) erwünscht; dann ein Abriß des Systems der jüdischen Religion (Gottesbegriff, Willensfreiheit, Messiasgedanke und Offenbarung); ferner eine entsprechende Erläuterung zu den (Laien so eigentümlich anmutenden) Vorschriften von Sabbatruhe; ferner Speisevorschriften: jüdische Wohltätigkeit. Daran anschließend könnten m. E. die hauptsächlichsten unserer wahrhaft ergreifenden, auch Nichtjuden packenden rituellen Vorschriften und liturgischen Bräuche beschrieben und ihr Sinn erläutert werden; ich denke an das „Zeremoniell" unserer Totenbestattung, das „Kaddisch"- Sagens, die Feieruchleu der Bescyumdung und der Eheschließung, „Kol nidre“ xt. a. Hebet alle diese hier nur angedeuteten Fragen habe ich außer in den großen, dem Laien unverständlichen Werken von Hirsch u. a. keinen Aufschluß gesunden, vor allem nicht in den „Lichtstrahlen a. d. Talmud" (Reclam), dem Buch von Giesebrecht (Aus Natur und Geisteswelt). Ich glaube, daß ein solches Werk, das etwa in der Sammlung „Aus Natur und Geisteswelt" erscheinen könnre, in 2—Z Bändchen (vielleicht noch mit einem Abriß der nachbiblischen Geschichte!) bei geschickter Darstellung sehr viel Material enthalten, zu weiterem Studium anregen und viel Gutes stiften könnte. Dr. R. Offenöacher- Fürth i. Bayern, Oberarzt. VereirlsnachrichLerr. Verband Groß-Berlin. Vom 1. Januar 1919 ab befindet sich das Büro des Unterzeichneten Verbandes Berlin SW. 68, Lindsnstraße 13. Wir bitten deshalb alle Zuschriften an obige Adresse zu richten. Verband Groß-Berlmer Ortsgruppen des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. MiigliedsrnersamMlung der Ortsgruppe Groß-Berlin. Am 21. Dezember 1918 fand im Kaiserfaal des „Rheingold" eine von 1500 Teilnehmern besuchte Mitgliederversammlung statt. Der Vorsitzende, Geheimrat Fuchs, eröffnete die Versammlung, begrüßte die erschienenen Mitglieder und wies daraus hin, in welch trauriger Lage das Vaterland sich jetzt befinde und daß insbesondere die Alldeutschen die Juden als Sündenböcke benutzen wollen. Syndikus Di*. Holländer gab hierauf den Geschäftsbericht und legte den Zweck der Mitgliederversammlung dar, in der den Berliner Mitgliedern Rechenschaft über dasjenige zu geben sei, was der Centralverein in dieser schwierigen Zeit geleistet habe. Es sei dies nicht wenig; denn der Centralverein stehe einem Antisemitismus gegenüber, der an die schlimmsten Zeiten erinnere. Ferner ging er auf die Stellungnahme des Centralvereins zum Zionismus ein und erinnerte zum Schluß daran,