Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1919)
- Article
- Schundliteratur
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 33 (sequence 2)
- Language
- German
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Schundliteratur 38 und Edles, nur echt Germanisches getan? Wäre es nicht gerechter gewesen, er hätte ihn aus dem Kriege — geschmückt mit den höchsten Ehrenzeichen — zurückkehren lassen, damit er, jubelnd vom Volke begrüßt, den Posten eines Schriftleiters bei „Deutschlands Erneuerung" und die Stelle des Kassenwarts beim Alldeutschen Bunde übernehmen konnte? Literarische Bedenken bestehen gewiß rr^cht. Wenn Ibsen seine Schlüsse ändern durfte, soll Dinter es auch unbesorgt tun. Vielleicht beherzigt er diesen wohlgemeinten Vorschlag für die zweite Auflage. Im Ernst gesprochen, muß man sich aber eigentlich schämen, wenn derartige Machwerke in deutscher Sprache auf den Büchermarkt kommen können. So grotesk es erscheint, wenn immerwährend die Vorgänge tierischer Zeugung und Züchtung auf den Menschen übertragen werden, so scheußlich wirkt es auf die Dauer. Diese rohe Mechanisierung, die das Menschenschicksal so ganz und gar von dem Fatum des Blutes abhängig macht und für sittliche Arbeit, für Selbsterziehung und Streben nach Vervollkommnung nicht den geringsten Raum läßt, ist ein Ausdruck des krassesten Materialismus, den man sich vorstellen kann. Auf derselben Höhe steht Dinkers Charakterisierung alles Jüdischen, die schlimmer gar nicht geausfallen konnte. Uebritzens — und das ist für uns ein gewisser Trost, falls wir eines solchen bedürfen — sind eigentümlicherweise alle Juden des Buches — christlichen Glaubens!! Dinters Hebräer sind Barone oder Grafen, die als Christen geboren sind, aber eine sonderbare Treue zum Judentum beweisen und teilweise sogar ihr großes Vermögen der —, ,Alliance Israelite Universelle" vermachen! Der als Christ geborene Geheime Kommerzienrat Burghammer, der königlich preußische Regierungsassessor, Reserveoffizier und Korpsstudent Baron Dr. Edayr von Werheim, die beide „fremdblütige Wüstensöhne" sind, — mauscheln! Ein wie feiner Beobachter ist doch dieser Arthur Dinter! E r muß doch eigentlich wissen, wie Regierungsassesioren und Reserveoffiziere reden! Es wäre aber falsch, wollte man diesen Unsinn in die Kategorie des harmlosen Blödsinns verweisen. Denn Dinters Art ist bösartig und gefährlich zugleich. Er verunglimpft das Alte Testament, die heilige Schrift der Juden und der Christen, in nicht wiederzugebender Weise; er beurteilt das Judentum nach dem alten System, das alles Jüdische für schlecht und in logisch erscheinender Umkehrung alles Schlechte für jüdisch erklärt. Was er über die Judenpresse und ihre Macht sagt, ist die alte, vertraute Litanei, die freilich durch die vielfachen Wiederholungen nicht wahrer wird. Seine Ausführungen über jüdische Sittlichkeit, die ir$t ihren schlüpfrigen Beispielen und ihrer unverhüllten Freude an lasziver Darstellung nicht gerade für den sittlichen Ernst des Autors sprechen, sind freilich schon nicht mehr mit normalem Maße zu messen. Sie sind einfach das hysterische Aufkreischen eines rasend gewordenen Fanatikers. Und einfach unwürdig ist es, daß Dinter oft in seinem Hasse persönlich wird. Für jeden Kenner der Berliner Presse deutlich greifbar, rempelt er den Feuilletonredakteur der „Bürgerlichen" Rundschau (!) an, dem er nicht nur „völkisches" Empfinden abspricht, was der Herr schließlich wird ertragen können, sondern dem er nachsagt, daß er einen bedeutenden Teil seines Einkommens aus jüdischer Kasse beziehe!! So kämpfen unsere Rassenantisemiten. Des Rätsels Lösung liegt darin, daß dieser Redakteur in erster Ehe (gerade wie Dinters Jdealheld Kämpfer) mit einer Frau jüdischer Abstammung verheiratet war, und daß er es ablehnt, zur Sühne für. dieses „Verbrechen" nach alldeutsch-rassenantisemitischer Pfeife zu tanzen! Das Deutschtum täte einem leid, wenn es auch nur entfernt den Schilderungen seiner angeblichen Freunde gliche. Es ist eine ganz furchtbare Moral, die von Dinter vertreten wird. Ganz naiv-harmlos erzählt