Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1919)
- Article
- Schundliteratur
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 32 (sequence 1)
- Language
- German
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82 Im deutschen Reich SchRNdMsrKLrr?. Heute wird alles verfilmt und dramatisiert. Da braucht es denn weiter nicht wunderzunehmen, wenn der Schriftsteller Arthur Dinter einige Bände des rassenantisemitischen „Hammers" dichterisch verarbeitet und in einen dicken Roman umgewandelt hat. „Die Sünde wider das Blut" heißt er, dem „D e u tsche n (sic) H o u sto n Stewart Chamberlain" ist er gewidmet, und auf dem Umschlag leuchten die Symbole zweier Weltanschauungen, ein „Mögen Dowid" als das Zeichen verruchten Judentums, ein „Hakenkreuz" als Hinweis auf edelstes, rassenreines Germanentum. Mit diesen kurzen Worten ist Inhalt und Geist des Romans charakterisiert. Auf dichterischen Wert erhebt er keinen Anspruch. Wo die Tendenz so stark betont ist, muß sich ihr alles beugen, und Dinter liegt herzlich wenig an der Schilderung lebenswahrer Gestalten. Allen Unsinn und alle anmaßende Ueöerhebung der Rassentheorie, alle feigen Verdächtigungen gegen Juden und Judentum, alle Beschimpfungen gegen die jüdische Religion, die jemals geäußert worden sind, hat er Zusammentragen wollen, um sie Leuten, die sich mit wissenschaftlichen Werken nicht befassen wollen oder können — und diese Gattung dürste ja unter seinen Gesinnungsgenossen nicht gerade schwach vertreten sein — mundgerecht zu machen. Das ist ihm auch vorzüglich gelungen. Es ist ein Kompendium der Rassentheorie heraus ge kommen, das freilich zugleich auch ein Handbuch des Hasses und der Beschränktheit ist. Und wenn der englische Renegat Chamberlain feierlich zu seinem Schutzpatron ernannt worden ist, wenn der Geist der „Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts" beschworen wird, so sei gern zugegeben, daß Dinter sein Vorbild an wildem Haß und unbeschränkter Unwissenheit restlos erreicht, wohingegen er freilich st i l i st i s ch weit hinter ihm zurücksteht. Und so müssen ihm selbst die mildernden Umstände versagt bleiben, die Chamberlain wegen seiner schwungvollen Sprache, seines reinen Stils, seines wirklich guten deutschen Ausdrucks genießt. Die Fabel des Buches ist sehr einfach. Hermann Kämpfer, Chemiker, Idealist und rassenreiner Germane, verliebt sich in Elisabeth Burghammer, Tochter eines semitischen Kommerzienrats und seiner germanischen Ehefrau. Er heiratet sie, nachdem er sein germanisch-rassenreines G'spusi, Rosalinde Brummer, kurzerhand hat sitzen lassen. Beide Frauen, die frühzeitig sterben, haben Kinder. Elisabeths Sohn Heinrich ist Mischblut mit allen typischen Eigenschaften des Semiten, Rosalindes Sohn Hermann ist ein idealer Germane und die Verkörperung alles Edlen. Beide ertrinken; Kämpfer bleibt allein zurück und heiratet ein zweites Mal, eine Germanin. Das Kind, das sie Zur Welt bringt, W aber — obwohl es and) einen germanischen Vater hat, semitischer Rasse, weil sie früher einmal von einem jüdischen Offizier verführt worden ist. So m ußre es nämlich nach der Lehre der orthodox strenggläubigen Rassenlehre kommen. Die Frau stirbt. Kämpfer vergißt seltsamerweise, daß er auch Rosalinde Brummer verführt hat, entrüstet sich, als er nachträglich Kunde erhält, kolossal über des andern Sünde und schießt den Wehrlosen zu nachträglicher Sühne in schlicht-germanischer Selbstverständlichkeit feige und meuchlings nieder. Von der Rassentheorie begeisterte Geschworene sprechen ihn, "trotz der Bemühungen jüdischer Sachverständiger und des jüdischen (!) Staatsanwalts glatt frei, und er fallt im Kriege! Obwohl Dinter sehr grausam ist — mit den Personen seines Romans räumt er ganz radikal aus und bei der Verfilmung wird es eine Unmenge von Leichen geben —, hätte er doch diesem Prinzip zuliebe Kämpfer nicht opfern sollen. Sein Tod verstimmt! Warum muß er sterben? Er hat doch nach der Auffassung seines literarischen Erzeugers nur Gutes