Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1919)
- Article
- Schundliteratur
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 34 (sequence 3)
- Language
- German
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Im deutschen Reich er folgendes: Kämpfer hat außerehelichen geschlechtlichen Verkehr mit Rosalinde Brummer, aber heiraten „kann" er sie nicht! Warum? Aus Gründen der Karriere, aus reinen Geldursachen! So handelt ein rassenreiner germanischer Helid — nach Dinter! Aber es kommt noch bess-er! Ro;alinde schreibt dem Geliebten. Ihre Briefe aber läßt er uneröffnet liegen und beantwortet sie einfach nicht, obwohl er eingestandenermaßen ahnt, daß sie ihm die Ankunft seines Kindes anzeigen und — das Mädchen ist blutarm — die Bitte um etwas Geld enthalten. Das also ist die Moral, die das Buch preist! Deutsch ist das gewiß nicht; denn solches Verhalten ist feige und erbärmlich! Aber in den Augen Dinters scheint es zur germanischen Moral mit zu gehören. Damit nun zur Tragödie nicht das Satyrspiel fehle, erzählt Dinter, daß Kämpfer seiner toten Rosalmde, die er — auf gut deutsch gesagt — in Not und Schande herzlos hatte verkommen lassen, einen kostbaren Grabstein mit der Inschrift setzen läßt: „Die Liebe höret nimmer auf!" Die bösen Juden — und erfreulicherweise auch die Christen — haben denn wohl doch eine andere Auffafsu von lvahrer Liebe. Viele Freunde wird sich Dinter mit seinem „Roman" nicht erwerben. Selbst der kleine Kreis seiner besonderen Anhänger wird von der Moral, die seine Hauptgesialt predigt, peinlich berührt sein. Nur dort wird eitel Freude herrschen, wo man in verschwiegenen Winkeln eines Bücherschranks verbotene erotische Literatur, kräftig gewürzte Sachen für „Herrenabende" sammelt. Auf diesem Gebiete nämlich stellt der Roman — gewiß gegen den Willen des Autors — eine geradezu geniale Leistung dar! Manche Stellen des Buches sind so stark, daß ein rauher Dragonerwachtmeister bei ihrer Lektüre erröten wird. So wird Dinters Roman schon seinen Leserkreis finden. Daß es nicht jener sein mag, den der Verfasser sich gewünscht hat, wollen wir zu seiner Ehre annehmen. Im übrigen aber gönnen wir von ganzem Herzen dem Buche diese FreundeZschar von Lebemännern und Kokotten. Di\ Felix GoIdmann. „Krmppe!Ver?L zur neuen Freiheit" veröffentlichte Herr Arthur Dinter in der alldeutschen „Deutschen Zeitung" (15. Dezember 1918). Einige Reime seien hier abgedruckt: irat und Vollzugsausschuß! und Hott noch Spartacus! Und an der Spitze I tz r g - E o h n! Es lebe die deutsche Revolution! . . . Schon nabt als „Ordner" Marschall Foch, Der Michel, der schläft immer noch! Dieweilen ranzt auf ihm herum Das Orient al'sche Publikum . . . Jedoch der deutsche Michel träumt! Die Freiheit, jüdisch Ousgezäumt, Ward ihm zum bunten Narrenkleid — Mir tut der dumme Michel leid! Uns auch, wenn Michel derlei Verse lesen und sich solche geistigen gefallen lassen muß. Poesie mangelhaft, Gesinnung noch Mangel-