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Im deutschen Reich · 1919-01-01 · Heft 1 (Januar 1919) · p. 28

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 1 (Januar 1919)
Article
Einiges über die Spaniolen in Serbien, Mazedonien, Bulgarien
Date
1919-01-01
Page
28 (sequence 7)
Language
German
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23 Im deutschen Reich ist es in S erbten, das feit Jahrzehnten keine n Anti >f c in t - tismus kennt. .Hier verkehren Spaniolen und ihre andersgläubigen Mitbürger nicht nur geschäftlich miteinander, sondern auch gefellschaftlich; Freundschaftsbande verbinden beide Gruppen. Bis vor Ausbruch des Weltkrieges war «auch in Bulgarien vom Antisemitismus nicht allzuviel zu bemerken; hoffen wir, daß es auch nach dem Kriege .so bleiben wird. Immerhin sind mir gelinde Zweifel bei Gesprächen, die ich mit bulgarischen Kameraden christlichen Bekenntnisses hatte, aufgestiegen. Ms treue Juden pflegen die Spaniolen auch praktisches Judentum. Leider ist aber ein tieferes Verständnis für alles, was Judentum heißt und ist, nicht vorhanden. Ganz erstaunlich ist ihre Unkenntnis in jüdischen Dingen. Während .z. B. die Männer — ich rede jetzt von den als orthodox geltenden Gemeinden Nisch, Uesküb — Hebräisch lesen können, gibt es in den genannten beiden Städten und überhaupt in Serbien, Bulgarien, Mazedonien nur ganz vereinzelte spanidli'sche Frauen oder Mädchen, die eine Zeile im Gebetbuch lesen können. Die Kenntnis in Mischer Geschichte ist schon bei den Männern eine geringe, von den Frauen ganz zn schweigen, mag es sich nun um die sogenannten gebildeten Kreise oder andere handeln. Erst jetzt wird es, wie ich mich z. B. in Uesküb beim Besuch der jüdischen Schule überzeugen konnte, allmählich ftt dieser Hinsicht besser. Nach dem Kriege soll für eine Ausgestaltung des Religionsunterrichtes, der vor allem in Serbien mtd Mazedonien ganz im argen liegt, energisch Sorge getragen werden. Dafür bürgen wohl auch di'e akademisch gebildeten Rabbiner, der Großrabbiner von Serbien, Dr. Alkalay, der sich seit Beginn des Krieges in der Schweiz befindet, der ihm unterstellte Rabbiner Br. Benzion in Monaftir, den deutsche Kameraden als ainen überaus liebenswürdigen Herrn kennen,gelernt haben, und der künftige Großrabbiner von Grvß-Bulgarien. Es sind die einzigen wirklichen Rabbiner, die auch staatlich anerkannt find und aus der Staatskasse einen Zuschuß erhalten. In allen anderen Städten fungieren sogenannte Chachams, die in der Tracht der Popen einhergehen, aber mit allzu großem Wissen nicht beladen find. Zu meinen schönsten Balkan-Erinnerungen gehört der Besuch eines sehr gut besuchten FreiLag-Abend-Eottesdienstes in der prächtigen, nach Wiener Borbild gebauten spaniolifchen Synagoge zu Sofia. Ein hervorragender mehrstimmiger Chor — eine Orgel sah ich nirgends in Serbien, Mazedonien, Bulgarien — trägt nicht wenig zur Ausgestaltung des Gottesdienstes bei. In den übrigen Städten aber, die ich besuchte, ist der Gottesdienst für den fremden Juden nicht gerade sehr erhebend. Abgesehen von Belgrad, dessen spaniolifche Gemeinde, sich vor nicht allzu langer Zeit eine schöne Synagoge gebaut hat, ist schon das Ueutzere der spaniolifchen Synagogen hier auf dem Balkan nicht gerade einladend, aber auch der Verlauf des Gottesdienstes selbst stimmt nicht festlich. Stumpf sieht man oben die Frauen fitzen (junge Mädchen pflegen in Mfch und Uesküb das Gotteshaus nicht zu besuchen). Da sie ohnedies kein Wort von dem verstehen, was unken im schnellen Fluge der Chacham

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