Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1919)
- Article
- Einiges über die Spaniolen in Serbien, Mazedonien, Bulgarien
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 27 (sequence 6)
- Language
- German
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Einiges übet die Spaniolen in Serbien, Mazedonien, Bulgarien 27 eben spricht .'das Kind drei oder vier Sprachen; man tann überhaupt ruhig behaupten, daß die Juden in Serbien, Mazedonien, Bulgarien, -was Schulbildung aulaugt, ihren andersgläubigen Mitbürgern völlig gleichkommen, wenn sie sie nicht gar bei weitem übertreten. Durch die Miance-Schrrlenwar der französische Einschlag bis kurz vor dem Krieg noch sehr groß, so z. B. in Uesküö. Mit großer Genugtuung kann m>an jetzt feftftetten, daß Deutschland immer mehr cm Boden gewinnt. Gerade jetzt können naturgemäß außer mit Oesterreich-Ungarn nur mit.Deutschland Handelsbeziehungen ausrechterhalten werden, die übrigens auch während des Krieges sich sehr rege gestalteten. In manchen Städten, z. B. Nisch und Uesküb, ist durch den Krieg, wie man mir erzählt hat, keiner der Spaniolen verarmt; das Gegenteil trifft eher zu. Auffallend erschien mir übrigens Lei fast allen Spaniolen, die ich traf, daß sie einer etwas mehr materialistischen Auffassung huldigen, als eben gut ist. SSerm AUnecht Wirch in sein-em bekannten Buche über den Balkan (Seite 315) mit einem Seitenhieb auf die Juden in Deutschland wenig -geschmackvoll von den Spaniolen Salonikis sagte, daß sie „über ihre Rassegenossen ragen, wie der Mond über die Sterne", und an einer anderen Stelle (Seite 27h daß die? Spaniolen „cm Bildung und Sauberkeit weit, über ihre Rassegenossen her-v-orragen", so scheint mir gerade Di*. AlbrechL Wirth am allerwenigsten berufen zu sein, ein objektives Urteil über Inden abzugeben. Die Spaniolen fühlen sich.als gute Juden und nehmen Anteil am jüdischen Leben. Taufen z. B. kommen bei ihnen sehr selten vor, ebenso Mischehen. .Bei dieser Gelegenheit mag kurz auf die Sekte der Donmas/d. h. Bekehrte (vom türkischen „dönmek" sich bekehren) hingewiesen werden. Sie werden auch Mamini („die wahren Gläubigen") genannt. Es sind dies Spaniolen, die sich dem zum Islam bekehrten falschen Messias in Smyrna, Sabbatai Zwi (1626—1676) anschlossen. Sie sprachen früher judens.panisch, jetzt ist ihre Umgangssprache türkisch. In Uesküb lernte ich einige wenige Dönmes kennen, die übrigens von den Spaniolen getrennt leben, sich nur als Türken fühlen, nur untereinander heiraten nnd an gewissen türkischen Feiertagen die Moschee besuchen. Sie zerfallen in mehrere einander ö et auch sende Sekten, und zu ihnen zählen die bedeutendsten Unternehmer und Großgrundbesitzer m Saloniki. Auch im politischen Leben der Türkei spielen einige Dömnes jetzt eine große Rolle. Bald nach meiner Ankunft auf dem Balkan fragte ich einmal einen kleinen jüdischen Knaben nach seiner Nationalität. Ganz verwundert und wie selbstverständlich lautete die Antwort: „Ich bin ein Jöre, ein Jude." In der Tat, schon durch ihre gemeinsame Umgangssprache, das Spaniolische, sind die Spaniolen fest miteinander verbunden und fühlen sich auch hinsichtlich ihrer Nationalität nur als Juden. Dieskommt im gesellschaftlichen Leben insofern Zum Ausdruck, als der gesellschaftliche Berkehr, sowohl in Mazedonien, wie in Bulgarien, sich fast nur auf spaniolische Glaubensgenossen beschränkt. In Uesküb wohnt die Mehrzahl der Spaniolen noch heute in freiwillig gewählten „Ghettos" zusammen. Anders