Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1919)
- Article
- Einiges über die Spaniolen in Serbien, Mazedonien, Bulgarien
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 26 (sequence 5)
- Language
- German
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28 Im deutschen Reich Pardo, Pinto., Henriguez, Silva, Toledo, Ruffo, Wsriel, Medinas italienischen Ursprungs sind: Arditti, Cianetti, Veniciam, Romano vsw. Die gemeinsame spaniolische Sprache schlug ein festes Band um alle Sefardim, und so gelang es ihnen, sehr bald nach ihrer Ankunft Ln der Türkei und später in den anderen BalZanländern, die 'Juden, die seit alten Zeiten dort ansässig und in der Mehrzahl waren, zu überflügeln. Ja, der Mnflutz der Spaniolen über alle ihre Glaubensbrüder war so groß, daß die .alten eingesessenen Jrrben sich den Spaniolen in jeder Hinsicht assimilierten. Innerhalb eines Jahrhunderts haben sich Millionen von Juden in der Türkei, Palästina, Aegypten, Nordafrika und anderen Ländern „fpaniolisiert". Sogar die Portugiesen würben von spanischen Elementen aufgesogen, und nur die portugiesischen Vokabelreste im Spaniolischen zeugen davon, daß einst auch rein portugiesische Gemeinden bestanden. Diese „'Spaniolisterung" hatte ihren Grund in der Ileöerlegenheit der Spaniolen, die in jeder Hinsicht 'bestand. Daher war auch ihr Stolz und ein gewisser Hochmut berechtigt. Sie Legten Wert auf ihr Reicheres, hielten sich überall für die Herren und wurden auch von den anderen Juden anerkannt. „In den Jahrhunderten nach ihrer Verbannung sind sie die Träger der geschichtlichen Begebenheiten" (Graetz IX/14). Vermöge ihrer Verbreitung auf allen Handelsplätzen in Italien, an der Levante und anderen Ländern entwickelte sich ihr Handel immer mehr, wobei ihnen die spanische Sprache wertvolle Dienste leistete. Aber auch Handwerke mannigfachster Art haben die Spaniolen nach dem Balkan verpflanzt. In der Gold- und Silberschmiedekunst, wie auch in der Anfertigung von Stahlklingen, Waffen, leisteten sie Hervorragendes. Als Aerzte waren sie viel gesucht. Auch in der Gegenwart ist ihr Einfluß groß. Der Handel liegt auch heute zum großen Teil in ihren Händen; fast jeder Spaniole, den ich traf, war Kaufmann oder Handwerker; Akademiker sah ich nur wenige. Sie bewohnen fast nur die Städte. Mehr als 99 Prozent aller serbischen Juden gehören der städtischen Bevölkerung an; die Zahl der Landjuden sinkt fortwährend, so daß sie im Augenblick in Serbien nur noch drei beträgt, die kennen zu lernen ich Gelegenheit hatte. Auch in Mazedonien und Bulgarien sind die Spaniolen hauptsächlich ein städtisches Element; in Bulgarien wohnen etwa nur 1500 Seelen — wenn ich recht unterrichtet bin — in Dörfern, und zwar in den Kreisen Mstend'i! und Dubuitza. . Bei ihren ausgedehnten Handelsbeziehungen kommt den Spaniolen ihre große S p r a ch e n g e w a n d t h e i t zugute. Neben seiner Muttersprache spricht der Spaniole, wie übrigens fast jeder Jude des Orients, 6—7 Sprachen geläufig. In Serbien wurde allgemein schon in Friedenszeiten von fremden Sprachen die deutsche bevorzugt; in Mazedonien und.Bulgarien in erster Linie die französische. Aber man darf aus dieser großen Sprachkenntnis nicht etwa von vornherein auf Bildung schließen; ich habe ganz ungebildete Juden kennengelernt, die fünf Sprachen geläufig beherrschten und wirklich reisten Anspruch darauf machen durften, etwa zum gebildeten Element zu gehöre" Schon in früher Fugend