Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1919)
- Article
- Einiges über die Spaniolen in Serbien, Mazedonien, Bulgarien
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 24 (sequence 3)
- Language
- German
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24 Im deutschen Reich jetzt in Mazedonien lebenden Juden verzichtet 'werden; die Zählungsergebmsse weichen nämlich um 100 Prozent und mehr voneinander ab. In Bulgarien lebten nach einer amtlichen Statistik von 1900 genau 83 663 Juden, in Sofia allein ungefähr 10 OO0 Juden. In den ersten Jahrzehnten nach ihrer Vertreibung aus Spanien haben die Spaniolen ihr Spanisch rein bewahrt. Die von den Spaniolen im 16. Jahrhundert verfaßten Schriften sind noch frei von türkischen und anderen Elementen; nur hebräische Ausdrücke finden sich hier und dort in ihrer religiösen Literatur, und der spanische Text ist in den Bibelübersetzungen oft so wörtlich nach dem Hebräischen übersetzt, daß er ohne Kenntnis kaum verständlich wäre. Allmählich aber wurde diese rein spanische Sprache unter dem Einfluß der jeweiligen Landessprache, mir türkischen, griechischen, hebräischen, serbischen und bulgarischen Elementen vermischt. Diese spaniolische Sprache (auch Ladino genannt) ist im Lause von mehr als vier Jahrhunderten förmlich zur Judensprache des Orients geworden, (lieber diese Sprache der spanischen Juden vergleiche den ganz ausgezeichneten Aufsatz von M. L. Wagner: Los Indios de Levante, Brüssel 1609.) Heute noch wird sie kurzweg die „jüdische Sprache" genannt, ,ur& Verfasser wird das erstaunte Gesicht einer Spaniolm in Risch nie vergessen, die sich über feine Unkenntnis des Spaniolischen nicht beruhigen konnte und ganz besonders dabei auf sein Amt als Rabbiner hinwies: „Sie wollen Rabbiner sein und verstehen nicht einmal Jüdisch!" Ueber ein ähnliches Erlebnis berichtet übrigens auch Max Rord-au, der eine jüdische Verkäuferin in einem Belgrader Laden erstaunt fragte: „Sie sprechen spanisch?" Aber die Antwort lautete ganz bestimmt: ^,Rein, ich spreche jüdisch", d. h. die Sprache der Inden. Obwohl die Spaniolen mit ihrem Mutterl-ande Spanien keinerlei Beziehungen mehr unterhalten, obgleich die Bestrebungen, die in den letzten Jahrzehnten unter Führung des obengenannten Senators Pulido Fernandez unternommen wurden, die Spaniolen nach Spanien zurückzuführen, völlig mißlungen sind, legen sie doch durch treues Bewahren der Sprache ihre Anhänglichkeit an ihr Mutterland, das ihnen während der christlichen Herrschaft gewiß nicht viel Gutes erwiesen hat, an den Tag. Für die Sprachforschung wäre es nicht .uninteressant, den allmählichen Verfall, die Neuschaffungen und die Aufnahme von fremdem'Material historisch zufammenzustellen. Die volkstümliche Ueberüeferung der Spaniolen besteht aus Romanzen und Romanzenresten, aus Sprichwörtern und Lebensregeln. Den Quellen der einzelnen Sprichwörter nachzuforschen, von denen einige aus der alten spanischen Literatur bekannt sind, andere in spanischen Sprichwört-er-Sammlungen Vorkommen, wäre auch eine überaus dankenswerte Aufgabe für den sprachkundigen Forscher. Eine Sammlung Don Sprichwörtern gibt M. Grunwald im 8. Heft -der „Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde", ganz besonders M. Kayserlingk und Salemon Tr. Rosanes in Sofia in 'seinem auf 6 Bände berechneten (bisher sind vier -erschienen) in hebräischer Sprache geschriebenen Werke „Geschichte der Juden in