Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1919-01-01 · Heft 1 (Januar 1919) · p. 23

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 1 (Januar 1919)
Article
Einiges über die Spaniolen in Serbien, Mazedonien, Bulgarien
Date
1919-01-01
Page
23 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2316602-2316888-2316889-2355069--29384-2355146
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Einiges über die Spaniolen in Serbien, Mazedonien, Bulgarien 23 welche spanisch miteinander sprachen. Es klang wohl nicht genau so, wie das Spanisch m Madrid, Toledo oder in Andalusien gesprochen wird; es gab viele fremde Ausdrücke, urtd auch die Aussprache war fremdartig. Immerhin war es eine für jeden Spanier sofort verständliche kastilianische Mundart, ähnlich der Sprache in den spanischen Republiken Süd-Amerikas. Einige von der Reisegesellschaft verließen das Schiff, andere stiegen mn ein, und so ging es längs des serbischen und bulgarischen Ufers bis hinter Rustschuk fort. Die Leute schienen sich gut zu kennen; sie bildeten eine Gruppe für sich und drückten sich in der lastilianischen Mundart so zwanglos und fließend aus, wie das nur in der eigenen Verkehrs- und Muttersprache möglich ist. Dem mit gespanntestem Interesse beobachtenden spanischen Arzt entging auch der Umstand nicht, daß diese Menschen in ihrem Gebaren, im Mienenspiel und sogar in den Gesichtszügen manches hatten, das unverkennbar als spanische Wesensart anzusprechen war. Don Pulido ging der Sache nach und erfuhr zu seinem nicht geringen Erstaunen, daß es sefardische Juden (auch Spaniolen genannt) waren, also Nachkommen jener Juden, die am Ende des 15. und im 16. Jahrhundert aus Spanien und .Portugal vertrieben worden waren. Von den <etva 200 000 aus Spanien vertriebenen Juden ließ sich die große Mehrzahl auf die Einladung des Sultan Bajazid II. in den Ländern der Türkei nieder; viele gingen auch nach Marokko, Tunis, Algier. Ein Teil «dieser nord-afrikanischen Sefardim hat dann später die neue Heimat verlassen, um überseeische Länder aufzusuchen. Spaniolen-Kolonien gibt es daher in Nord- und Süd- Amerika, Süd-Afrika und sogar in China und Japan. Viele kamen auch nach Holland, Italien, Frankreich, England, Deutschland und Oesterreich, so daß man sagen farm, daß die Spaniolen, ebenso wie die anderen Juden nicht-spanischer Herkunft (Aschkenasim) über die ganze Welt zerstreut leben. Im folgenden soll nun auf Veranlassung der verehrl. Redaktion dieser Zeitschrift ein Bild von dem .Leben und Treiben der Spaniolen in Serbien, Mazedonien, Bulgarien gegeben werden. Der kleine Aufsatz macht keinen Anspruch aus wissenschaftliche Genauigkeit; er soll nur die Erlebnisse schildern, die der Verfasser loährend des Krieges im Kreise spaniolischer Glaubensbrüder erfahren hat. Genaueres über die Zeit der Niederlassung der Spaniolen in den Städten Serbiens, Mazedoniens und Bulgariens scheint nicht bekannt zu sein oder scheint noch nicht erschlossen. Jedenfalls kamen sie von der Türkei und breiteten sich über die ganze DaKanhalbinsel aus. In Serbien wohnten nach einer amtlichen Statistik von 1904 unter 2 492 882 Einwohnern 5729 Juden, von denen allein 3557 in Belgrad ansässig waren. In dieser Zahl sind natürlich auch die Aschkenasim mit einbegriffen, die sich aber gegenüber den Spaniolen weitaus in der Minderheit befinden. Dasselbe gilt für Mazedonien und Bulgarien. Da es ohnedies schwierig ist, über Zahlenverhältnisse auf dem Balkan Klarheit zu gewinnen, und in den ehemalig türkischen Gebieten, zu denen auch Mazedonien gehört, die Zählurkg ganz im argen liegt, mag auf eine A>"§be der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.