Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1919)
- Article
- [Ohne Titel] / J. Sch.
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 15 (sequence 5)
- Language
- German
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Umschau 15 und einflußreichen protestantischen Kreise im Reiche hinzuweisen, denen die Bekämpfung des katholischen Einflusses und der katholischen Machtstellung aus politischem Gebiet höchste Staatsräson ist. Es wird den Zentrumsführern nicht unbekannt geblieben sein, daß man in diesen Kreisen in gleicher Weise auf den „Judenfrieden" und den „P a p st - frieden" geschimpft und seinerzeit die Ernennung des Katholiken Hertling zum Reichskanzler des in der Mehrheit protestantischen Deutschlands mit den gleichen Gefühlen ausgenommen hat, wie das katholische. Volk Bayerns die Bestellung des „Juden" Eisner zum bayerischen Ministerpräsidenten. Eine Zentrumspolitik, die sich leichtfertig über den Grundsatz der Parität imMeiche hinwegsetzt, sägt selbst den Ast ab, auf dem sie sitzt. Dr. £eim hat sich inzwischen veranlaßt gesehen, zu dementieren, daß die Zentrumspartei Judenhetze betreibe, und hat die Behauptung, das Zentrum habe als eine seiner Grundtendenzen den Kampf gegen die Juden erklärt, in der „Amberger Volkszeitung" (vom 10. Dezember 1918) als „glatten Schwindel" bezeichnet. Die „Deutsch-Israelitische Zeitung" in Regensburg (vom 19. Dezember 1918) teilt als authentische Aussage von zuständiger Seite folgendes mit: „Es ist selbstverständlich, daß die Bayerische Volkspartei auch Israeliten als Mitglieder aufnimmt. Wir freuen uns sogar, wenn recht viele ihrer Glaubensgenossen bei uns mittun wollen." Aber dann müßte es, wie das Blatt sagt, nicht mehr heißen: „Katholik und Protestant, Hand in Hand im ganzen Land", sondern „Jude oder Christ, wer gottesgläubig ist, komme herbei zur Bayerischen Volkspartei". Vorläufig aber wird in Bayern immer noch mit dem antisemitischen Kalb gepflügt. Auch in Baden hat das Zentrum antisemitische Anwandlungen. Aber auch dort ist eine Abkehr vom Antisemitismus zu bemerken. Im „Badischen Beobachter" vom 12. Dezember^ 1918 veröffentlichte ein katholischer Priester Kr. (vermutlich Prof. Krebs) unter der Überschrift „Juden und Juden" eine „Mahnung zur Gerechtigkeit", an deren Schluß er wörtlich aussührte: Man führe deshalb den Wahlkampf gegen die jüdischen und nichtjüdischen Radikalen, nicht aber gegen die Juden als Juden. Denn es ist ein Unterschied zwischen Juden und Juden, so gut wie zwischen Christen und Christen. — Der Zentrumsschild ist blank. Die Zentrumspresse hat nie in Antisemitismus gemacht. Sie wird es auch jetzt nicht tun. Aber zurzeit liegt die Gefahr nahe, beim Wahlkampf ab und zu in das antisemitische Horn zu stoßen. Mögen diese Zeilen dazu beitragen, daß dieser Gefahr unsere Zentrumswahlmänner nicht unterliegen. Wir haben bessere, positive Agitanonsmntel als den ungerechten Groll gegen eine ganze Gruppe unserer Mitbürger, unter denen die Guten gerade jetzt nach den vier Jahren blutiger Sorgen denselben Anspruch auf Ehre, Ruhe und Frieden haben wie jeder anständige Mensch. Des Hasses ist genug in der Welt. Schüren wir keinen ungerechten Haß, auch nicht mit „guten" Witzen und Bemerkungen. Hoffen wir, daß diese Mehr von Dauer ist.