Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1919)
- Article
- [Ohne Titel] / J. Sch.
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 14 (sequence 4)
- Language
- German
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14 Im deutschen Reich ist nach der Revolution in manchen ZentrumsblätLern, besonders in Bayern, und leider nicht nur in obskuren Blättchen, ein übler antisemitischer Kampfton angeschlagen worden, worauf wir noch weiter unten besonders eingehen. Die Parteiführung rückt aber offiziell vom Antisemitismus ab, sie legt sogar, wie schon betont, Wert darauf, auch Juden in ihren Reihen zu haben. Sie wird dann um so' mehr dafür sorgen müssen, daß die antisemitischen Anpöblungen in ihren ParteibläLLern ein Ende nehmen. Die „D e u L s ch - n?a L i o n a l e VolksparLei" muß als antisemitisch bezeichnet werden, auch wenn in ihrem Aufruf versichert wird: die Aemter in Staat und Gemeinde sind ohne Rücksicht auf Parteistellung und Religionsbekenntnis nach Maßgabe der Befähigung der Beamten zu besetzen. Unter den Freikonservativen wird sicherlich eine Reihe von Politikern, wenn auch nicht judenfreundlich, so doch nicht antisemitisch sein. Aber in der Zusammensetzung der neuen Partei überwiegen die antisemitisch Gesinnten: die Konservativen, die ihr Tivoliprogramm noch nicht aufgegeben haben, der Bund der Landwirte, der grundsätzlich keine "Juden aufnimmt, die eigentlichen Antisemiten, wie Prof. Werner-Gießen, der besonders enge Beziehungen zu Herrn Wilhelm Marten, dem Verbreiter der Pogromflugblätter, unterhielt, und eine Anzahl von Alldeutschen. Was oben von den Geldern für die antisemitischen Flugblätter gesagt worden ist, gilt auch von dieser Partei, womöglich in noch erhöhtem Maße. ». Zu den ZentnrrnsblaLLMrdie seit der Revolution scharfe antisemitische Propaganda treiben, gehört in erster Reihe der „Bayerische Kurie r", der die durch die politische Aufregung und Nervosität sehr weit gezogenen Grenzen der Duldung erheblich überschritten hat. Sein Kampf gegen Kurt E i s n e r, den er fälschlich stets als galizischen Juden Salomon Kosmanowski bezeichnet, wird in demagogischer und unaufrichtiger Weise als antisemitischer Kampf geführt. Nebenbei sei noch einmal betont, daß Eisner in Berlin geboren wurde als Sohn deutscher Eltern; außerdem ist er längst aus dem Judentum ausgetreten. Da zu gleicher Zeit das Bayerische Zentrum Aufrufe verbreitet, in denen auch um die Mitgliedschaft von Juden geworben wird, richtete das „Jüdische Echo" (vom 13. Dezember 1918) an die Leitung der Bayerischen Zentrumspartei die strikte Frage, was sie zu tun gedenkt, um der „ihre eigene Sache im höchsten Maße konipronrittierenden Antisemitenpropaganda ihrer Organe, in erster Reihe des Bayerischen Kuriers", ein Ende zu machen. Das „Jüdische Echo" führte mit Recht aus: Kann die Partei (des Zentrums) einen Augenblick darüber im Zweifel sein, daß diese Haltung des „Bayerischen Kurier", verstärkt durch den neuerdings auch in den anderen Par Leib lättern hervortretenden gleichen Geist, den Eindruck einer völligen Preisgabe ihrer immer hochgehaltenen Grundsätze der Parität und Gerechtigkeit erwecken wird? Die ZenLrumspartei wird nicht im unklaren darüber sein, was eine derartige Feststellung für die künftige Gestaltung ihrer gesamten parteipolitischen Situation bedeuten würde. Man braucht nur auf die weiten