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Im deutschen Reich · 1919-01-01 · Heft 1 (Januar 1919) · p. 16

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 1 (Januar 1919)
Article
[Ohne Titel] / J. Sch.
Date
1919-01-01
Page
16 (sequence 6)
Language
German
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16 Im deutschen Reich Das Verhalten kurz vor der Wahl ist nicht überall von reinen Absichten diktiert. So wendet sich die „Jüdische VolkszeiLung" in Breslau (3. Januar 1919) gegen die freikonservative „Schlesische Zeitung", die über die „Deutsch-nationale Volkspartei" folgendes geschrieben hat: „Auch ohne Unterschied des Glaubens! Die Tatsache, daß unter den Revolutionären und besonders auch unter den Bolschewisten ein sehr großer Prozentsatz Juden ist, hat das Erstarken der antisemitischen Bewegung mit Notwendigkeit zur Folge gehabt. Aber neben diesem deutsch- und ordnungsfeindlichen Judentum gibt es auch ein staats- Lreues, deutschgerichtetes Judentum, das mit uns gegen die Selbstvernichtung Deutschlands kämpfen will, und dessen Mitarbeit wir nicht entbehren wollen." Die „Jüdische Volkszeitung", die das bisherige Wirken der „Schlesischen Zeitung" aus jahrelanger Betrachtung und Erfahrung kennt, bemerkt hierzu: „Jetzt also, wo es zu den Wahlen geht, und man jede Stimme brauchen kann, entdeckt die „Schlesische Zeitung" das staatstreue, deutschgerichtete Judentum, während sie früher im Sinne der konservativ-antisemitischen Anschauungen nur die „zersetzende Kraft" des Judentums kennen wollte. Freilich würde man es den deutsch-nationalen Stimmzetteln nicht ansehen, ob sie von jüdischen oder arischen Wählern stammen, und. der mit Hilfe jüdischer Stimmen gewühlte Kandidat könnte später ohne Scheu unter Berufung auf seine arische Wählerschaft Antisemitismus treiben. Wer hat denn den angeblich so sehr großen Prozentsatz Juden in das Lager der Revolutionäre getrieben? In der Hauptsache doch nur eine rein konservative Beamteuschaft, welche die Juden um ihre staatsbürgerlichen Rechte auf dem Verwaltungswege betrog. Wenn sich die antisemitisch-konservative Clique auch jetzt ein volksparteiliches Mäntelchen umhängt, so weiß man doch, wer dahinter steckt. Die Deutschnationale Volkspartei müßte erst die antisemitischen Schmarotzer, welche ihr ankleben, aufs energischste abschütteln, wenn sie die Gefolgschaft jüdischer Wähler haben will, auch wenn biefe sonst mit ihren Tendenzen einverstanden sein sollten. Solange aber die Deutschnationale Volkspartei, wie in ihrer ersten Breslauer Versammlung, gegen die Juden gerichtete Hetzreden eines Herrn Stein duldet, werden diese Kveise vergeblich auf die Unterstützung einsichtiger jüdischer Wühler rechnen." Im Dezember veröffentlichte die „Korrespondenz des Bundes der Landwirte" folgende Zuschrift: „Drei M ä n n e r.„g r ü n d e u" die Verfassung der deutschen Republik, und alle drei sind nicht deutschen Stammes. Der „Vorwärts" Nr. 335a vom 6. Dezember 1918 meldet: Ein DreimännerraL ist zusammengetreten, um dieser Republik ihre Verfassung zu geben. Zu diesem Rat gehören: Die beiden Advokaten H a a s e und Landsberg und der „bürgerliche" Demokrat Professor Hugo P r e u ß. Dieser Gelehrte begann zwei Tage, nachdem er die gegenwärtigen Gewalthaber als „Obrigkeitsregierung von unten" gebrandmarkt hatte, für diese Obrigkeitsregierung ein neues Zwangswahl„gesetz" auszuarbeiten. Das Volk, das in Deutschland eines vom Hundert der Bevölkerung ausmacht,

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