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Im deutschen Reich · 1919-01-01 · Heft 1 (Januar 1919) · p. 13

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 1 (Januar 1919)
Article
[Ohne Titel] / J. Sch.
Date
1919-01-01
Page
13 (sequence 3)
Language
German
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Umschau 18 gleiche Pflichten, gleiche Rechte, gleiche Möglichkeiten und Aussichten, sich in Gesetzgebung und Verwaltung zu betätigen. Entscheidend allein darf nur die Eignung und Tüchtigkeit sein. Damit ist die Frage nach der Stellung der Sozialdemokraten und der „D e u t s ch e n d e m o k r a t i s.ch e n Partei" uns Juden gegenüber schon beantwortet. Die Sozialdemokraten haben bereits unter der alten Herrschaft den Antisemitismus bekämpft, das gleiche g}tlt von der Vorläuferin der „Deutschen demokratischen Partei", der „Fortschrittlichen Volkspartei", und deren Vorläufern, der „Freisinnigen Volkspartei" und „Freisinnigen Vereinigung". Als die Sozialdemokratie noch in den Windeln lag, haben die Vertreter der freisinnigen Parteien, oft unter ungünstigsten Umständen, einen ehrenvollen Kampf gegen antisemitische Demagogie und den Regierungsantisemitismus geführt. Von den N a t i o n a l l i b e r a l e n , die jetzt unter der Flagge „Deutsche Volkspartei" segeln, wird der größte Teil ebenfalls Gegner des Antisemitismus sein; ein kleinerer, aber einflußreicher Teil — die Schwerindustrie — gehört den Alldeutschen an. Wie weit diese „Nationalliberalen" persönlich den Antisemitismus während der Kriegszeit pflegten, kann schwer nachgewiesen werden In Wahrheit aber stammte das Geld für die mannigfachen alldeutsch-antisemitischen Neugründungen von Zeitschriften und die Erweiterung von Zeitungen aus ihrer Tasche. Sie sahen nach dem Zusammenbruch des .Nnecms eine eranbung von Groll und Zorn gegen sich heranrollen, sie müssen sich ferner gegen gewaltsame Sozialisierungen und Uebergrisse von Ueberreoolutionären verteidigen. Da ist zu befürchten, daß die alte Taktik nur noch verzweifelter weitergeübt wird. Aus dem Säckel dieser Herren dürfte zum großen Teil das Geld für die antisemitischen Flugblätter der letzten Zeit stammen, die selbst vor der Aufforderung zu Pogromen nicht haltmachen. Es wäre falsch, die gesamte „Deutsche Volkspartei" hierfür verantwortlich zu machen; aber ebenso falsch wäre es von den Nationalliöeralen, nicht einen scharfen Strich zwischen sich und den Schwerindustriellen zu ziehen. Die Zersetzung und Sprengung der alten nationalliberalen Partei ist ja im wesentlichen durch die Rücksichten erfolgt, die die Parteiführung auf die alldeutsche Gruppe nahm. Diese schwerreichen Herren waren das Krebsleiden der Partei. Eine Amputation ist nach der Revolution vorgenommen worden; eine neue wird wohl noch notwendig werden.. Die Christliche Volkspartei, das frühere Zentrum, ist prinzipiell nicht antisemitisch. Die Katholiken mußten und müssen selber um Gleichberechtigung, um Parität kämpfen. Sie kennen also, wenn auch nicht in dem Umfang wie die Juden, die Leiden einer konfessionellen Minderheit. In ihren neuesten Richtlinien wird die „Gleichberechtigung der Angehörigen der verschiedenen Glaubensbekenntnisse auf allen Gebieten" gefordert. Die Partei betont, wie schon erwähnt, den christlichen Charakter des Staates. Das braucht nicht direkt antisemitisch aufgesaßt zu werden. Die wirklichen und radikalen Antisemiten betonen gegenüber den Juden nicht ihr Christentum (das sie vielmehr, weil jüdischen Ursprungs, ablehnen), sondern die arische Abstammung. Allerdings

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