Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1919)
- Article
- [Ohne Titel] / J. Sch.
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 12 (sequence 2)
- Language
- German
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12 Im deutschen Reich Eugen Richters in ihrem Namen das Ziel, für das Volk zu arbeiten, programmatisch kund getan. Die Partei hat sich nach der Revolution mit linksstehenden Nationalliberalen unter dem Banner „Deutsche demokratische Partei" zusammengesetztsten. Das Ziel der Volks h e r r s ch a s t wird durch das Fremdwort „demokratisch" schärfer und eindeutiger ausgedrückt, als durch das allgemeine Wort „Volkspartei". Der Rest der Nationalliberalen hat sich den Namen „Deutsche Volkspartei" gegeben.— Das Zentrum hat seine farblose Bezeichnung, strotz ihrem historischen Klang und Gewicht, abgetan und nennt sich nun „Christliche Volkspartei" (in Bayern „Bayerische Volkspartei"). Sie betont (was sie auch schon früher getan hat, ohne rechten Glauben zu finden, obgleich sie tatsächlich eine Zeitlang auch evangelische Abgeordnete ins Parlament gesandt hat), daß auch Bekennern anderer Konfessionen der Eintritt offen stehe, daß ihr an den Stimmen aller derjenigen viel liege, die für die Religion und den christlichen Charakter des Staates und der Schule eintreten. So hat die Partei für Berlin neben dem Zen- Lrumsabgeordneten Di*. Pfeiffer auch den evangelischen Pfarrer der Lutherkirche, Haeckert, als Kandidaten für die Nationalversammlung ausgestellt. — Die Konservativen, Freikonservativen, Antisemiten und sonstige Anhängsel haben sich zur „Deutsch-nationalen Volkspartei" zusammengetan. Die Hoffnung vieler, daß wir nach der Revolution im wesentlichen zwei, höchstens drei Parteien haben werden, hat sich nicht erfüllt. Sie war vorläufig auch nicht erMbar. Wir sind parteipolitisch und allgemeiupolitisch noch nicht so geschult und reis wie die Engländer, bei denen übrigens infolge der Arbeiterbewegung das bisherige Zweiparteiensystem bereits durchbrochen ist. Die bürgerlichen Parteien Deutschlands find zum Teil noch zu sehr verwurzelt mit den zerklüstenden Anschauungen der vorrevolutionären Zeit, als daß sie schon jetzt einen einheitlichen Block gegen die Sozialisten bilden könnten. Das Sichabfinden mit der neuen Regierungsform ist vielfach nur ein erzwungener Notbehelf. Der Vol'ksfreundschaft gewisser Parteien wird von der Demokratie Mißtrauen entgegengebracht. Ein Zusammengehen war darum noch nicht möglich. Aus der anderen Seite sind ja auchdie Sozialisten gespalten; der alten sozialdemokratischen Partei stehen die Unabhängigen und Spartakusleute gegenüber. Was uns als Juden besonders angeht, ist die Stellung der Karteien zur Judensrage. Die Judenfrage ist auch nach der Revolution akut. Schon hieraus ist zu folgern, daß die Revolution bei vielen mehr äußerlich, als innerlich gewirkt 'hat. Weder in einer sozialdemokratischen, noch in einer demokratischen Republik kann und darf es eine jüdische Frage geben. Alle Bürger müssen gleich sein, nicht nur nach dem Gesetz, sondern in Wirklichkeit. An die Stelle papierner Gleichberechtigung tritt die lebendige. Katholiken, Protestanten, Juden können voneinander durch ihr Glaubensbekenntnis geschiedensein, als Staatsbürger haben sie