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Im deutschen Reich · 1919-01-01 · Heft 1 (Januar 1919) · p. 8

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 1 (Januar 1919)
Article
Die "Schuld" der Juden
Date
1919-01-01
Page
8 (sequence 8)
Language
German
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8 Im deutschen Reich Wir mißbilligen die aus diesem Anlaß gegen den ehemaligen Kaiser erhobenen Vorwürfe, der nur das getan hat — wahrscheinlich wußte er nicht einmal etwas davon —, was fast alle Deutschen je nach ihrem Vermögen getan haben. Aber es muß festgestellt werden, daß die konservativen und antisemitischen Zeitungen, die so gern jeden Fall jüdischer Hamsterei ausfchroten, obwohl ihre Schreiber und Leser der gleichen Sünde bloß sind, vom kaiserlichen Riesenhamsternest ihren Lesern keinen Bericht erstattet haben. $ Die Preisteuerung. Auch ohne die Wucherpreife des Schleichhandels ist auf allen Gebieten eine fast reguläre Preissteigerung eingetreten, für die ebenfalls die Inden verantwortlich gemacht werden. Wodurch kam die Preissteigerung? Nicht allein wegen des zunehmenden Mangels an Rohstoffen. Die Agrarier haben fortgesetzt aus Erhöhung ihrer Produktionspreise gedrängt; sie brauchten sie, wie sie sagten, zum Anreiz ihrer Arbeit. Gewiß kein christliches Motiv! Auch kein jüdisches! Auch kein patriotisches! So flössen nicht nur den in christliche« Händen befindlichen Muniiionsindustrien, sondern auch der Landwirtschaft ungezählte Reichtürner zu. Nahrung braucht jeder. Also mußte jeder seinen Zoll an die bis zuletzt noch mit den Preise» unzufriedene Landwirtschaft entrichten. Also mußte jeder Haushalt mit erheblich höheren Ausgaben lediglich für das Essen rechnen. Die Folge war, daß jeder seine Einnahme« zu erhöhen versuchte. Ein Keil treibt den andern. Bleibt der Magen leer, zerfällt der Körper und damit auch die Arbeitskraft und der Geist, der leider an den Stoff gebunden tfi. Vom Mage» aus hat nicht zuletzt die Revolution ihren Ausgang genommen. Es wurden allmählich sämtliche Waren teurer, weil eben jeder seine Einnahmen erhöhen mußte. Auch die Mieten stiegen aus diesem Grunde. Die Munitionsfabriken, die Kriegsgesellschaften zahlten schwindelnd hohe Löhne. Die Beamten mußten Tenerungszrrlagen erhalten, die Angestellten forderten höhere Gehälter, jede Arbeit wurde vielfach überzahlt. Trotzdem konnte man für das Mehrgeld nicht so viel kaufen, wie zur Deckung der notwendigen Bedürfnisse erforderlich war. Wer aber nicht mehr verdienen konnte als früher, konnte verhungern. Der erste Keil, der in die Preisskala getrieben wurde, ging, wie gesagt, von der Landwirtschaft aus. Er war verhängnisvoll, war verderblich, weil eben jeder essen muß, während man mit den Einkäufen anderer Waren unter Umständen warten konnte. Die Folgen kennen wir. Und trotz den enormen Ausgaben für das Essen ist das Volk, sind Christen und Juden unterernährt.

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