Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1919)
- Article
- Die "Schuld" der Juden
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Die „Schuld" der Juden 7 des Krieges lagen.. Nett mehr Recht könnten '.vir so sprechen, als die Antisemiten; denn die übergroße Mehrheit der Kriegs, gewinn er, namentlich der Kriegsgewinuer großen Stils, waren 'Christen. Die alldeutschen Millionen- und M'lkwttdcmschesfter aber rufen: seht die jüdischen L'riegSgeivlNner! Sie ucrteuerii euch alloZ und Verteilern euch die Nahrung. Und die anliselnitischen Mitglieder dcS B'nndeS der Landwirte haben die Stirn, iu diese,: Hetzrtls einzustimmeu! Bon jeden: wird der Schleichhandel mit Lebensmitteln als ein Verbrechen au bcm durch die Blockade unterernährten Volk gebrandmarkt. - Der Schleichhandel vollzieht sich iu: geheimen. Es wird schwer seili, sestzlrstellen, ivieviel Prozent Juden, wieviel Prozent Christen als Schleichhändler tätig uurren und sind. Aber da§ steht fest: ein Schleichhandel ohne Ware ist unmöglich. Woher stammen die Lebensmittel, die zu Wucherpreisen unter Umgehung der Rationiernngen verfällst werden? Sic werden nur von der Landwirtschaft produziert. Die Landwirtschaft aber liegt in den Händen von Christen, und der „Bund der Landivlrnc" ist ausgesprochen antisemitisch! .Kein jüdischer Schleichhändler konnte gedeihen, würde er die Ware nicht vom christlichen Landwirt bekommen In erster Reibe sind also jene ländlichen Elemente an denn LebenSmittelwucher schuld, die gegen das Gesetz, -gegen die Moral, gegen das Mitgefühl mit den hungernden Volksgenossen ihre Produkte nicht zur öffentlichen Bewirtschaftung abliefertcn, sondern um deS MammonZ willen dem Schleichhandel Zuführten und noch jetzt Zufuhren. Die plötzlich erwachte Liebe der Agrarier Zinn bisher als jüdisch bekämpften und „unproduktiven" freien Handel ist verräterisch genug. rv„S.. 'V Die Hamsterei wird mit Vorliebe den Juden nachgesagt, zeder ehrliche Christ wird Zugeben, das; das Hamstern völlig unabhängig von: Glaubensbekenntnis ist, das; eigentlich jeder Deutsche, wo er nur fonnto, LebeuSmiltel au flau sie, um für die immer wiederkehrenden Heilen ärgster .Knappheit gewissermaßen eine eiserne Ration zu haben. Genau so unabhängig vom Glaubensbekenntnis ist auch daS lleberschrciten der durch die Lebensmittelkarten festgesetzten Stationen. Beides hängt innerlich znscnnmen und hat seinen Grund darin, das; nult jenen Nationen auf die Dauer niemand auSkommeu kann. Mac; hat ja in letzter Zeit einige grobe Hamsierlager aufgehoben; es waren zufällig christliche. Wir sagen „zufällig", weil nur nicht bestreiten, das auch Juden gehamstert haben. Wir nehmen es aber z. A. der kaiserlichen Schlosverwaltung nicht übel, das sie im Berliner Schloß riesenhafte Vorräte von Lebensmitteln ausgehäust hat.