Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1918)
- Article
- [Ohne Titel] / J. Sch.
- Date
- 1918-12-01
- Page
- 455 (sequence 5)
- Language
- German
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NsÜchLL 455 Ich roerÄe mich an bk Hiesigen jüdischer? Volksvertreter mit der Bitte, von diesen staatsgefährdenden Elementen mit allerdeutlichster Entschiedenheit abznrücken? Das Bild hat sich also vollständig geändert. Am 6. November wandte sich der Oberbürgermeister gegen verleumderische antisemitische Angriffs eines polnischen Stadwersrdnelen, am 21. Nsv. gebärdet sich der neue (polnische) Oberbürgermeister fel&er LntiseMilis-ch und richtet an die Juden Posens Mahnungen, hie um so befremdlicher find, als sie sich nicht auf Posensr BErhältnifie beziehen, sondern ans Angelegenheiten in Polen, anscheiumch auf Warschau-er BorgSrrest. Vielleicht hatten sie auch den Kveck, die Pssener Juden davor zu warnen, wegen der polnischLN Pogrome in der Oeffentlich'keit Anklage zu erheben. Unrnittelbar nach der Rede des Herrn von Dvwenski fand es der Stadtverordnete Busse erstaunlich, daß der Oberbürgermeister nur der Agitation der d'eutschsn und jüdischen Presse Erwähnung getan habe, aber nicht der Agitation der polnischen Blätter. Stadtverordneter Dr, Landsberg stellte fest, daß die Polen in der kurzen Zeit ihrer Herrschaft in Posen an Unterdrückungen gerade Henug geleistet haben. Hochgestellte Persönlichkeiten haben Drohbrrese erhalten, so daß sie zu ihrer eigenen Sicherheit die Stadt verlassen mutzten. Von angesehenen polnischen Bürgern sei allen Ernstes der Vorschlag gemacht worden, den Juden zuerst ihr Geld abzunehnren und sie dann hinauszuwerfen. So sieht es in der preußischen Provinz Posen aus. Zur Rede gestellt, versichern die amtlichen Stellen ihre Toleranz und versprechen, daß nichts Anrechtes geschehen werde. Ihr Versprechen mag auch ernst gemeint sein — für die Zeit bis zum Abschluß der FriedEkOAsereutz. Wie sich auch das ftaotsrcchtliche Schicksal der Provinz Posen gestalten mag, es ist zu befürch/en, daß für unsere dortigen Glaubensgenossen eine trübe Zeit anbrichl. Es wehr Pogrornlust auch in Deatschlarr d. Fast jede Nummer dieser Zeitschrift mußte sich leider in den letzten zwei Kriegsjahren mit den Anzeichen eines sich immer wilder gebärdenden journalistischen und rednerischen Antisemitismus befassen. An den Burgfrieden haben sich die Antisemiten nur so lange gekehrt, als die Zensur sie dazu Mang. Unter der fast diktatorischen Herrschaft Ludendorffs, die den Alldeutschen Stab und Stecken war, wurde die antisemitische Aufreizung immer zügelloser, und die Zensur, die die Windrichtung in den oberen Luftschichten kannte, sah trotz ihren hundert Argusaugen vielfach solche Hetzereien nicht, stets aber die Erwiderungen und die Abwehr. Die Opfer der jüdischen Deutschen auf den Schlachtfeldern, ihre Hilfsleistungen in der Heimat hielten die teutonischen . Gewaltpolitiker nicht ab, mitten im Kriege Teilen des deutschen Dolles die Lust am Vaterlands zu vergällen und sie sogar unter Fremdenrecht stellen zuwÄlen. Dieses für Deutschland selbftmbrderrsche Verhalten' hatte im Esentlichen seinen Gmund in der vEendeten AÄerzeuglrng, daß man den Gieß eLenso in der Tasche