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Im deutschen Reich · 1918-12-01 · Heft 12 (Dezember 1918) · p. 454

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 12 (Dezember 1918)
Article
[Ohne Titel] / J. Sch.
Date
1918-12-01
Page
454 (sequence 4)
Language
German
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464 Im deutschen Reich das Gefühl der Ruhe vor dem Sturm. Irr der Stadt Posen hat sich eine jüdische Wehr gebildet, die sich „Jüdischer Bolksrat" nennt. — In der Stadtverordneten-sitzrmg vom 6. November hat der Posener Oberbürgermeister. Dr. Wi! nr s, gegen den polnischen Stadwerordneten Lewandowsti längere Ausführungen gemacht, die nach dem Bericht des ,,Posener Tageblattes" vom 7. November (mit Streichung derjenigen Stellen, die sich nicht auf die Juden beziehen) hier wiedergegeben seien. Or. Wilms sagte: In einer Wahlverfanunlung in Wilda (einem Vorort von Posen) hur Herr LewanLowski einen Bericht über städtische AngelLgLnheiLen erstattet und dabei u. a. ausgeführt: Die Stadt Posen zähle 166 000 Einwohner, davon seien 125 000 Polen, 5800 Juden, der Rest Deutsche. Nebenbei bemerkt, sind diese Ziffern sämtlich unrichtig. Er fuhr dann fort: „Dieses Häuflein Juden regiert die ganze Stadt. Die Juden bearbeiten die ganze Stadt wie der Hund einen Knochen/ (Zuruf des Stadtderordneten Kirschner: „Das ist doch einfach unerhört!") Diese Bemerkung Lewandowzkis wurde aus der Versaminlüng mit Zurufen wie „Raus mit ihnen, werft sie hinaus!" unterstützt. „Ueberau haben sich die Juden hineingedrängt, überall haben sie das Uebergewicht. Alle Lieferungen, Kriegsgewinne sind in die Hände der Juden gefallen- Die Juden wirtschaften zum ungeheuren Nachteil der Stadt; kein Wunder; denn desto mehr Gewinn fließt m ihre Tasche. Sind sie reich geworden, dann verschwinden sie nach Neu-JerusaLem—Berlin. Die Beamten stehen ganz unter dem Einfluß der Juden usw/ Gegen diese maßlosen und durchaus unberechtigten Borwürfe muß scharfstens Stellung genommen werden. Die Vertretung der jüdischen Bevölkerung in der Stadwero?dneten-Bersammlung ist allerdings im Verhältnis zur Bevölkerungszah! eine sehr starke. Sie hat dies in keiner Weise a u s g e n u 11, die der &tahi schädlich sein könnte; im Gegenteil ist gerade durch die intensive Mitarbeit einer Anzahl führender Herren aus der jüdischen Bevölkerung die Entwicklung und der Aufschwung Pose ns Ln Len Letzten Jahren m ganz bedeutendem Matze gefördert worden. In einer Zeit fr starker Spannungen allüberall in der Welt und auch bei uns sollte ein Stadtverordneter doch Vorwürfe nicht erheben, die so maßlos scharf und vnbegrLndet und geeignet find, Haß und Unfrieden zu stiften. Smdweroronerer Lewanoowski erwidert, er sei nicht in der Lage, auf alle Einzelheiten der Ausführungen des Oberbürgr-rmeisters zu antworten und führt dann u. a. Klage über angebliche Nichrberücksichtigung der Polen, in der Schuldeputation. . Stadtverordneter Fasse: Ms, was Herr Lew-crndowski gegen die Juden vorgebracht hat, und wovon ich^ hier düs Erste höre, ist so niedrig und gemein (Stadtverordneter Lewandowski: Sie sind selber gemein), daß es sich erübrigt, darauf einzugehen. Ich konstatiere, daß es eine elende Verleumdung ist. Nach der Revolution wurde von dem Posener Arbeiter- und Soldatenrat Herr Or. Wilms aus seinem Amte gedrängt und Herrn von Drw euski die Geschäfte des Oberbürgermeisters Übertrager!. In der Stüdwerordnetensttzurrg vom 81. November stellte sich der neue Oberbürgermeister den Stadtvertretern vor und wandte sich in einer programmatischen Einsühruugsrede gegen den von den Deutschen geplanten Heimatschutz-Oft. „Eins gleich schädücheAgitation geht/' so sagte er nach dem Bericht der „Pos. Ztg." vom 22. November, ..von gewissen jüdisch en E i roten ien in Polen aus.

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