Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 11 (November 1918)
- Article
- Die Kundgebung des Centralvereins
- Date
- 1918-11-01
- Page
- 434 (sequence 8)
- Language
- German
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434 Im deutschen Reich — ich sbatf das ‘im Namen meiner Religion cr-usspre'chen, deren Vertreter Md deren Bekenner ich in einem langen Leben kennen gelernt habe —; die Juden werden in dieser Zeit all das vergessen, was ihnen widerfahren ist; sie werden ihrem deutschen Vaterlande beweisen, daß kein Opfer ihnen zu groß ist. (Bravo!) In.einem Punkte muß ich meinem 'verehrten Vorredner entgsgentreten: Der Kapitalismus, der war bei, uns im Judentum nie die herrschende Anscha-urrng. Es mar immer ein ganz geringer Teil, der aber in der Gemeinde nicht Zur Geltung gelangte und nie vorbildlich war. (Sehr richtig!) Wer das alte Judentum kennt, weiß: der Jude .hat Respekt vor Wissenschaft und vor Religion., aber er hatte keinen Respekt vor Reichtum. . Und darum waren bei uns die Männer, die reich waren, nur dann geschätzt, wenn sie vorbUdAch in Wohltätigkeit, in Barmherzigkeit und in Frömmigkeit gewesen sind. Unsere Religion hat immer auf die Gefahr des Reichtums tzingewi'efen. Das haben unsere Propheten den Königen gegenüber schon getan. Ich schließe mich dieser Kundgebung des Centralvereins nicht als einer politischen an, sondern um zu bekunden km lltamen der jüdischen Religion, daß wir streu zu unserem Baterlande stehen werden, wie irgendein anderer. Wir wollen Deutsche und Juden bleiben und wollen unserm Vaterlande gerade fti triefen Tagen beweisen^ daß wir ihm cmgehoren mir Herz und mit Hand, mir unserer ganzen Seele urib mit unserer traft, 'Wtürmäscher Beifall.) Frau Henriette May (vom Vorstand des jüdischen Frauenbundes): Ms das Neichsvereinsgefetz vom 15. 1908 den Frauen den Gintr?SL in die politischen .VerAne erschloß, war der ^rein, der uns heutse abend Hier zusammenöerufen hat, einer der ersten, der die Frauen Zur aktiven M i i a r b e i 't rief. Haben wir nicht auch hier den Vorwurf verdient: Seht, die Frauen nützen ja nickst einmal ihr Recht aus, -das ihnen gegeben ist! Da kam der Krieg und nnt ihm das furchtbare Erwachen. Es reifte Me Ernste der Saat., die die Frauenbewegung crnsgesäl hatte sowohl in der sozialen wie in der sozialpolitischen und politischen Schulung der Frau; denn er fand biß Frau in planvoller Bereitschaft zur praktischen Mitarbeit auf allen Gebieten. Und wenn unsere deutschen Frauen heute noch eine Wegspanne vom dem Fiele trerrnt, mit zu beschließen über Gesetze, denen sie ebenso unterworfen sind wie die Männer, so sind wir jetzt doch für unsere Aufgabe vorbereitet. Die Hand, dke die Wiege schaukelt, regiert die Welt. Schwere Tage Liegen vor uns, doppelt schwer für die Frauen und fast allzu schwer für die jüdischen Frauen, dLe sich ihrer Verpflichtungen gegen ihre Glaubensgenossen voll bewußt sind. Anforderungen "cm unsere Kräfte weöden gestellt werden., wie in den Tagen, als uns der Aufschwung einer großen Stunde rlnte. Ob auch 8er Schmerz schwer auf unfern Gedanken und Gliedern liegt, die ZKt.verlangt von rrns W i ed e ra u s r i ch L u rr g. Wieder, müssen nrir ^alle helfen, daß es nicht noch schlimmer werde, daß «itfdrt 'bie Mächte bet Mederaeschlagenheit und Verzweiflung rroch mehr zerstören, als schon zerbrochen ist. Wir Frauen haben alle Mächte 'des Trostes kn der Hand und müssen uns dieser stärksten Großmacht bewußt sein. Wenn jetzt in dieser schicksals- 'schweren Stunde vieles, ja fast alles u,m uns her wankt, so stehen unerschütterlich und fest einaerammt die zwei Grundpfeiler: unser Judentum und unser Deutschtum, llmb von einem zum andern wölbt sich ein Brückenbogen, 'den wir fest beschneiten wollen — zur Zukunftsarbeit der neuen Zeit. (Leibhafter Beifall.)