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Im deutschen Reich · 1918-11-01 · Heft 11 (November 1918) · p. 433

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 11 (November 1918)
Article
Die Kundgebung des Centralvereins
Date
1918-11-01
Page
433 (sequence 7)
Language
German
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Die tirnfogetaig des Centralvereins 433 schuld ab — MSR hat uns fü£ar^^e eine KollekLivfchuld aufgebürLet, je!dem Juden für das, was ein anderer Jude getan hat aber getan haben sollte — jetzt ftehen wir zu unserem Lande. (Stürmischer Beifall.) Jetzt stehen wir zu hem Lande, dessen Waldesrauschen durch unsere Traume klingt, deszen Lieder durch unser Blur singen, jetzt stehen wir zu dem Lande, dessen Sprache xmx 4>re^^en, die einzige Sprache, in der wir sprechen, in der wir sinken können. (Bravo!) Und diesem Lande.gehören wir, jetzig wo es im Un$ 1 üd ist, noch viel inniger, noch viel fester als zur Zeit, wo es im Glücke war. (Stürmischer Beifall.) Deutschland ist nicht verloren, Deutschland kann .wicht verloren sein. (Bravo!) Was wir verloren haben, sind rote Dinge! Die schaffen rckir uns sehr bald wieder in Freiheit und Recht. Man soü unsere Kräfte nur nicht lähmen. Opfern müssen wir lewen! Noch sind wir nicht durch cke tiefsten Stellen des Grabens hindurch. Sorgen Sie dafür, daß der erhebende Geist von 1914 der von 1918 wird. Nicht der Geist des Schwertes, aber der Geist des Opfers, der freudig hingibt, um in einem neuen Deutschland jedem unserer Volksgenossen eine neue Heimat zu bereiten, wo er leben kann im Schatten seines Weinstocks und seines Feigeickmums — aus dem Biblischen ins Deutsche übertragen! (Stürmisch er Bcksall.) Rabbiner Dr. WsLtzs: Der AbLe hat in Deutschland seit .jeher Lies gewurzelt. Juden lebten schon in der Zeit des römischen Reiches den, Rhein entlang; röiemand hat das Recht, von ihnen zu sagen, sie seien fremd aus deutschem Boden. Wir find ja vielfach so behandelt worden, unsere Kinder sind verkürzt worden; man har es geduldet, daß uns Schmähungen und Zurücksetzungen zuteil wuüden. Aber gerade darin zeigt sich unsere Liebe zu unfern .deutschen Valerlande, daß all die »Verkürzungen, Entrechtungen und Demütigungen sie nicht haben beeinträchtigen können. Es ist kein Zufall, daß der größte Teil der Inden der Welt Deutsch spricht und Deutsch versteht. Es liegt darin änt Tragik de gründet. Die Juden, die in vielen Jahrhunderten aus Deutschlmrd verwiesen worden mrd in anders Lander austzewand^rt sind, haben {hie Liede zur deutschen Sprache und zur deutschen Heimat nicht verloren. Die ReUgion des Judentums hat von Anfang an die Liebe zur Heimat als etwas Heiliges in uns entwickelt. Der Prophet Jeremias hat -den.in das Exih wandernden Inden das Wort mfigegeben: Fördert das Wohl der Stadt, in die ich euch gefangen führen werde, und betet für sir zum Ewigen. Wenn wir auch unserer Religion anh äugen Mt unserer ganzen Seele, so haben wir Doch immer ein Verständnis gehabt für jede andere Religion und für jede entgegenDherrde Auffassung. Gera.de die Unduldsamkeit, auf Me wir gestoßen flckch gerade die Zurücksetzungen, die wir um unseres Glaubens willen erfahren haben, gerade weil wir gesehen haben, daß oft die Obrigkeit den Meineid belohnt hat, daß Juden befördert worden sind, erst nachdem sie gegen ihre Ueberzeugung ihre R eligion verleugnet und abgeschworen haben (stürmische Zustimmung) — gerade weil wir erfahren haben, daß wir in unserem Heiligsten gekränkt worden find, darum haben wir ein Gefühl für die Duldsamkeit, darum fordern wir, daß jeder Mensch nur nach seinem sittlichen Werte beurteilt werde. Nirgends haben die Juden so viel und so .ununterbrochen zu leiden gehabt wie in Deutschland. (Sehr wahr!) Unsere großen Geister waren Märtyrer ihrer religiösen Ideen. Mer gerade in die^r Zeit der Gefahr und der Not unseres Vaterlandes, da fühlen wir erst alle, wie teuer uns unser deutsches Vaterland ist, da empfinden wir alle die Schmach, die ihm cruferlegt werden soll; und da geloben tah alle

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