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Im deutschen Reich · 1918-11-01 · Heft 11 (November 1918) · p. 435

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 11 (November 1918)
Article
Die Kundgebung des Centralvereins
Date
1918-11-01
Page
435 (sequence 9)
Language
German
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Die Kundgebung des Centralvereins 435 Rechtsgnwalt Or. Apfel: Ich spreche zu Ihnen als Kriegsteilnehmer und als Repräsentant von weit über 30 000 jungen deutschen Juden und Jüdinnen, die im Verband der jüdischen Jugend vereine Deutschlands verÄur sind. Mit tiefer Veroitterung müssen wir Juden der jüngeren Generation an die Zeit vor dem Kriege denken, wo man uns zu Staatsbürgern zweiter Klasse zu degradieren versuchte, wo wir in bestimmte Berusssiände gedrängt wurden, wo e^n Immer schamloserer Anki'se mit Ismus viele Träger des aiicien regime i-m Offizierkorps, in der BeamkenschasL ergriffen hatte, ein A n ri s s mi t i s m u s, der an der heutigen Isolierung Deutschlands z u m "L § i! mit Schuld trägt! (Stürmischer Beifall.) Da brach der Krieg aus; die erlittene Unbill war vergessen; das Vaterland war ja in Not. Mit glühender Begeistern^ griffen wir zu den Waisen. Es gab wemtz jüdische Familien, die wicht einen Freiwilligen hinausjandten, es gab lamm einen jüdischen JugendverNn, der nicht völlitz verwaist wurde, es verging kein Tag, an dem nicht jüdisch- Müller und Frauen Trauer a nt egen mußten. Aber aller SchLnerz ward betäubt,d''nrch das beglückende Gefühl: die Schranken sind gefallen; wir [heb Brüder eines Volkes; aller Haß war nur ein. Mißverstehen. Durch die Hingabe unseres Lebens, durch das Bluiopfer glaubten \rfn besser ais durch Worte die Derechngung unserer Ansprüche auf Glchiä.berechli'gung dartun zu können. Und welches war Pie erste offizielle Antwort aus unsere Hingabe — die I u. -d en z äch l u n g! (Pfuirufe), die (sine schwer zu löschende Schmach En Deutschlands Kriegsgeschichte sein wird. Man sah im Geiste, wie Tausende gefallener Juden die Arnue aus ihren Gräbern emporreckten ulsd entgeistert riefen: Zählt uns m *i i! (Lebhafter Beifall.) Deutsches Vaterland, in dieser deiner schwersten Stunde stellen wir uns wieder vor dich Häm und rufen dir zu: wir sind itn’ebertmt von ganzem Merzen bereit, 'dies alles zu vergessen; noch einmal geloben wir junge Juden, restlos uns dir hinzugeben, m 'beinern Wiedepaufbau mi-zuavbeilen. Aber unerbittlich, ganz unerbittlich bestehen wir auf unfern menschlichen und staatsbürgerlichen Rechten! (Stürmischer Beifall.) Wir wollen unsere Gleichberechtigung wich! nur aus dem Papiersondern in der Tat sehen. (Wiederholter lebhafter Beifall.) Deutschland fordert den Gerecht!gkeitsfrieden. Deutschland mutz aöev auch im Innern Gerechtigkeit üben. (Sehr richtiig!) Ein Deutschlands das duldet, daß für durchsichtige Ablenkungsmanöver, um grausige Schuld von gewissen Elementen abzuwälzen, Iudenhetzen versucht werden, eine deutsche Bevölkerung, die dabdeft daß selbst in dieser Stunde in gewissen Preßorganen Kübel von Unrat über uns aus gegossen werden, ein solches Deutschland treibt nicht nur Raubbau an bester Kraft, sondern zieht sich die Verachtung aller E de lglest unten zu. , (Sehr richtig!) Sollte das neue Deutschland, das in dielen Tagen ersteht, unsere Hoffnung zuschanden werden lassen, sollte überhaupt noch eine Judenfrage in ihm existieren, dann werden wir bis zum letzten Rest unserer Kraft f ü r in n-1 e r Recht kämpfen, werden das Gewissen unserer Landsleute aufrütteln und an das Gewissen der gesamten anständigen Leute appellieren. (Stürmischer Beifall.-. Diese Forderung richten 'wir -nicht an ein Deutschland, das wir geschlagen awsehen. Deutschland hat eine Niederlage erlitten; aber nach unserer festen Ueberzeugung rckird es, wenn es alle ihm zu Gebote stehenden Kräfte zusirmmonfaßt, bald triebet ZU den führenden Nationen des Erdballs zählen. Mit festem Schritt, mit würdiger Zurückhaltung, aber mit inbrünstiger Liebe naht sich die jüdische Jugend ihren Mitbürgern: Nehmt uns hin, verfügt über uns mft unfern Fehlern und mit unfein Vorzügen, macht euch unsere besten Kräfte nutz-

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