Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 11 (November 1918)
- Article
- Die Kundgebung des Centralvereins
- Date
- 1918-11-01
- Page
- 429 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Shin&gefumg des Centralverrirrs 429 MrliLärdienstpflicht der Juden wieder aufzuheben. Der Widerspruch hiergegen hörte nicht früher aus, als bis 1845 für alle preußischen Gebiete die Militärpflicht keinen Um er schied nach Glauben und Bekenntnis machte. Auch durch die Tat haben wir Juden unsere Waifentreue bewiesen. Ueöer den Anteil jüdische? Soldaten an den Freiheitskriegen sprachen sich Zeitgenossen wie der Staatskanzler Hardenberg rühmend aus. Von anderen, so. von Julius von Voß, wurde besonders hervorgehoben, daß auch „die reichen Wechsler Berlins" nicht versuchten, ihre Söhne sreizubekommen, daß diese vielmehr mit Begeisterung in Reih und Glied eintraten. 1347 öestätigt die Denkschrift der preußischen Regierung daß sich d-ie jüdischen Soldaten in nichts von den christlichen unterscheiden. Üeber den Krieg 1866 schreibt Theodor Fontane, daß die Juden an Tapferkeit wetteiferten, wie wenn sie sich verabredet hatten, das alte Vorurteil zu beseitigen. Gleiche Zeugnisse sind über die Krieasjahre 1870/71 abgegeben worden, und in unser aller Erinnerung ist die Begeisterung, mit welcher kaum dem Knabenalter entwachsene Jünglinge unseres Glaubens von der Schule weg zu den Fahnen eilten. Wie sie sich im jetzigen Kriege geführt haben, erhellt der Umstand, daß sie, die angeblich ungeeignet zum Offizier seien, wie im Frieden immer behauptet worden nxix, in großer Zahl Offiziere wurden, daß eine Fülle von Eisernen Kreuzen — zum Teil erster Klaffe — an jüdische Soldaten ausgegeben werden mußte. Leicht wurde es den Inden sicherlich nicht gemacht, Offizier zu werden und das Eiserne Kreuz erster Klasse zu erhalten; daß sie es dennoch erreichten, spricht deutlich genug. Und trotzdem hat man uns die Schmach der Judenzählung angetan, und man hat geduldet, daß in großer Menge antisemitische Hetzflugblätter an der Front verteilt wurden. Brachte es doch selbst eine zum Dienstgebrauch bestimmte Druckschrift fertig, uns unser Deutschtum zu bestreiken. Daß im Preußischen LanDiag vom Lehrer H eins verlangt wurde, uns vom Wahlrecht auszuschließen, daß in der Preffe unter dem Schlagwort „John und Cohn" wir der Britenfreundlichkeit gegen des Vaterlandes Interessen verdächtigt werden, das alles läßt uns mir Jean Paul die Frage aufwerfen, ob es wirklich die Aufgabe der Preffe sei, durch lügenhafte Berichte zu verbittern und zu verhetzen. Ja, sogar zum Lynchen nxtb pt Veranstaltung von Pogromen ist deutlich genug worr einzelnen Organen aufgefordert worden. (Pfuirufe.) Welche Verwirrung sich der Geister bemächtigt hat, zeigt neben anderen das Beispiel des Fürsten Salm-Horstmar, welcher im Herrenhaus den Juden Sinn für Heimat und Vaterland aösprach und, zur Rede gestellt, ausdrücklich anerkannte, daß die jüdischen Mitbürger voll ihre Schuldigkeit rm Kriege getan und ‘bent Vaterlands große Dienste geleistet hatten. Wir glauben auch, dies für uns in Anspruch nehmen zu können. Ohne Ballin und ohne Rathenau wäre ein kriegswirtschaftliches Durchhalten unmöglich gewesen. (Zustimmung.) Ohne Zuntz, Haber, Frank, Freudenberg und andere wäre die Landwirtschaft ohne Dünger, das Vieh ohne Futter geblieben. Von maßgebendster Seite wurde wiederholt anerkannt, daß wir ohne diese Männer nach drei Kriegsmonaten zusammengeörochen wären. Man hat sich aber int öffentlichen Leben daran gewöhnt,- alles Unerfreuliche als jüdisch zu bezeichnen. Wer den Krieg nicht wollte, warf den Juden vor, ihn angezettelt zu haben. Wer den Frieden nicht wünscht, behauptet, den Juden seien die Friedensangebote zu danken. Ja, wenn ein Maler nicht genug Bilder verkauft, macht er hierfür die Juden verantwortlich. Die Zustände erinnern an das Mittelalter, da man an den Juden dis Urheber der Cholera, -der Pest sah und ihnen Brunnenvergiftung vorwarf. Das Unverfrorenste in dieser Richtung leistete sich neben dem General von Lieber! noch in Letzter Zeit