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Im deutschen Reich · 1918-11-01 · Heft 11 (November 1918) · p. 428

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 11 (November 1918)
Article
Die Kundgebung des Centralvereins
Date
1918-11-01
Page
428 (sequence 2)
Language
German
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42S 3m tottföen Reich sö chauvinistisch« UtUpnvd ober pazifistischer Neinmut, sS die Alldeutschen oder die ^LÜjLdischen", ob die ünAulängLichkeit der Regierten oder der Regierenden schuld ist. Ein jeder hat seine nqtnm Gedanken über die Schuld; ich habe sie lange vor dem Kriege zur Zeit der Marokkofrage in der Öffentlichkeit geäußert. Ich habe damals den Gedanken geäußert, daß der Mann, der unser größter deutscher Staatsmann gewesen, der unsere Einigkeit, unsere Größe, unsere Weltmachtstellung geschaffen, auch den Keim zu unserem Niedergänge gelegt, weil er unsere WelLmachrsteLung durch Koalitionen gesichert hat, die sich selbst nicht als fest genug erwiesen Hasen, und indem er Frankreich, unseren natürlichen Znteresserrfrrund, gedemütigt und für uns öündnisfähig gemacht, die starke Gegenkoalirion von England, Frankreich und Rußland herDorgerufen und gesestigl hat. Wen es interessiert, mag meärren damals von der Schristleitung gekürzten Artikel ..Wer ist schuld?" in der Nummer vom 12. November 1911 der „Vossischeu Zeitung" Nachlesen. Doch das nur nebenher. Unser HaupLunglück ist, daß wir Weltpolitik Zerrieben b^ben, ohne uns politisch und weltpolitisch mündig gemacht zu haben und mündig geworden zu sein. (Sehr richtig!) Wir haben es nicht verstanden, moralische Eroberungen Ln der Welt zu machen. (Zustimmung.) Und daran sind Regierung Regierte, wir alle, vom Ersten bis zum Letzten ohne Ausnahme im letzten Grunde der Dinge selber schuldig. Und weil wir alle schuld such, wollen wir nicht wie die im Geist Geschränkten Sündendocke suchen sinDern den inneren Frieden zu erringen trachten. Wir wo Len vergessen, was Zwietracht geschaffen hat, zurückstellen, was Zwietracht schaffen kann, auf dem Boden der Neuordnung ein neues Leben begründen, vereint unsere Kräfte in den Dienst des Vaterandes stellen, und im Vertrauen auf die befreien 'de Macht der Ideen nicht uns von dem blinden Ohn^fahr leiten lasten, sondern hören, waS das Gebot der Stunde von uns verlangt. Was das Gebot der Stunde von uns verlangt, wird Herr Kollege Sonnenfeld Ihnen darlegen. (Lebhafter Beifall.) Justizrat Or. Hugo SsnTerrfeLh? Der Zrntrum&T&gtzrimrre ateb jetzige Staatssekretär Erzherger hat in seiner Schrift „Der Völkerbund" behauptet, daß die christliche Religion als erste in der Geschichte sich grundsätzlich zum Friedensgedanken und Völkerbund bekannt habe. Das widerspricht der Tatsache, daß in der GL bei an mehreren Sdellen der Frieden in einem die Welt umfassenden Völkerbünde erhofft wird, da die Schwerter zu Pflugscharen, die Lanzen zu Sicheln und Reberrmesiern umgeschmiedet werden sollen, da niemand mehr das KriegsHantzsver? Lernen wirtz, Bogen, Pfeil urch Schild aus dem Lande entfernt sein werden, weil sich nicht mehr ein Volk gegen das andere erheben werde. Mit einem gleichen Wunsche hieß Herz! unfern Kaiser ln Jerusalem willkommen, und in Gebeten ersehnen wir die Zeit, da alle Geschöpfe Gottes zu einem Friedensbunde vereinigt werden. Die Bibel stellt dem Frieden die Gerechtigkeit zur Seite, ohne welche es keinen Frieden gebe. Wir Juden empfinden dies besonders, weil man uns die Gerechtigkeit versagt. Die schmählichen Angriffe auf untere Religion sollen heute nicht den Gegenstand meiner Betrachtungen bilden, vielmehr will ich mich nur mit dem Vorwurf des Tages beschäftigen, daß wir Juden uns vom Kriegsdienst angeblich drücken. Die moderne Geschichte des Judentums zeigt, daß wir um die Ausdehnung der Militärpflicht auf die Juden zähe kämpften, bis sie am 11. März l.812 erreicht war. Als 1814 die Darmstädter Regierung den Juden das Recht geben wollte, sich durch Lösegeld von der Kriegspflicht zu befreien, wurde seitens unserer Glaubensgenosten hiergegen heftig protestiert. Das gleiche geschah, als in Preußen die Absicht bestand, die

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